Lasst Freiheit tönen

Die Krise ist die Kristallisation der Normalität, reines sonst auch, konzentriert. Es wimmelt davon. Kriege erhalten ihr Votum, fortgeführt zu werden, der Opfer wegen. Das Volk stimmt dem zu, kategorisch. Die Perspektiven verschieben sich, Banken kosten den Staat nun mehr als Waffen. Der einfache Mann vertraut dem Kapitalismus nicht mehr — er will sein Geld sicher wissen, seine Arbeit behalten, zur Rente Viagra auf Rezept bekommen. Das ist ein Traum von Glück, Stagnation, dem das Soll nicht entspricht, vielfach das Haben niemals entsprochen hat.
Ich sitze in einem Zimmer, immer ein Ohr an der Tür. Draußen wird gesprochen, ständig. Man kann seinen Alkohol nicht mehr alleine trinken. Seine Reden nicht nur denken. Zu sozialem Dasein gehört heute viel mehr als die Klotür auszuhängen, sich Fäuste entegegen zu ballen. Ficken muss man und einander davon Metaphern bilden. Zeichen der Macht sind nichts anderes, links eine Zepter, rechts der Reichsapfel. Ich habe vergessen, dass ich ein Mann bin und was das heißen soll. Sitze hier und koche mir Tee, trinke Kaffee jeden Tag und wechsle die Kleidung. Mein Alter ist bald kein Quarterpounder mehr. Zeit zieht im Rücken.
Aber ich schlafe recht gut, trinke sehr wenig. Die Gedanken lassen sich leicht vertreiben und vielleicht ist auch dies das Glück der Stagnation. Die Lethargische Utopie mit weit entfernten Selbstmordphantasien. Tod durch nervöse Langeweile. Herzstillstand, was für ein schönes Wort. Weit weg von all den „Du“s, denen ich mir Tintentränen nachgetragen. Ich habe wieder aufgehört zu rauchen, stelle die Versuche der Ästhetik ein. Mein Versteck nötigt mir keine Maske ab und wer nichts macht, muss es niemandem Recht machen.
Wenn sie entschuldigen — es ist schon spät.

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