Jan
10
2012
Ich weiß noch: Du sahst mich an, ganz so wie man einen Menschen ansieht, der einem sehr viel bedeutet. Mich überraschte das. Und dann lagen wir auch schon beieinander, als wären wir aus bloßer Unachtsamkeit übereinander gestolpert. Schlenderten miteinander durch große, alte Hallen. Wie ein Paar. Betrachteten die Kunst vergangener Jahrtausende. Frühgeschichte und ein Bummel durch die Straßen der Stadt. Und ich dachte die ganze Zeit nur: Was soll’s? Fragte nicht weiter. Wachte morgens sehr früh auf und konnte nicht schlafen, konnte kein Ziel für meine Gedanken finden und lag einfach da, betrachtete dich und wunderte mich, dass du mir recht egal warst – mit all deinen Reizen. Da wurde es mir noch nicht klar. Da war dein Körper und ein Mensch, der mir nicht auswich. Das genügte; und würde es wohl heute noch. Jetzt stehen wir nebeneinander und sehen uns an, ganz so wie man einen Menschen ansieht, wenn man muss. Mich überrascht das nicht.
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Apr
27
2009
Da gab es vor kurzem so einen Tag, der eigentlich kaum der Rede wert war. Ich saß in einem Park, irgendwo am Rande einer Grünfläche. Um mich herum waren Menschen: Nicht zu viele um sich bedrängt, nicht zu wenige um sich in einem Park seltsam zu fühlen. Ich las ein Buch, rauchte eine Zigarette. An diesem Tag dort fühlte ich mich vollkommen unwohl. Weder hatte das mit den Menschen dort zu tun, noch mit dem Rasen, den Hunden oder Fahrrädern. Eigentlich war ich nur dort, um mich von meiner misslichen Laune abzulenken. Warum man dazu Dinge tut, die einem viel zu blöd erscheinen würden, wäre man im Vollbesitz seiner emotionalen Kräfte, ist mir noch nie ganz klar geworden. Man macht es einfach – wie so Vieles. Und obwohl es selten den gewünschten Erfolg bringt, lässt man es nicht sein: Sich in den Park setzen; sich Menschen annähern. Eines führt nun mal zum anderen und insgesamt ist es kaum der Rede wert.
Gestern tat ich einen ganzen Tag lang nichts – gar nichts. Weder setzt ich mich in den Park noch auf irgendeine andere Art einem Menschen aus. Gestern fühlte ich mich vollkommen unwohl. Womit genau das nun zu tun hatte, ich vermute wohl wiederum mit den Menschen und der Nähe. Vielleicht lag es aber auch an mir. Ich verwechsle mich zu oft mit jemandem, den ich mag. Deshalb bin ich wohl auch mein meistverwandtes Wort. Nun überlege ich jedenfalls, was mir der morgige Tag bringen wird und auf welche Art ich mich dieses Mal unwohl fühlen werde. Abwechslung macht das Leben süß.
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