27.

Wie wenig man doch aus den Tagen machen kann. Eine Stunde ist nichts als ein wenig Schlaf in den Füßen oder Kribbeln, in den Zehen vielleicht. Ich mag das. Der Körper verwest partiell. Diese schönen, lauen Tage ohne Frische. Einfach in sich bleiben, bei Tee und etwas Zwieback.
Wer zur Hölle mag eigentlich Wacholder? Wer ist jemals auf die Idee gekommen, einen Schnaps daraus zu brennen, Schnaps?! Diese Jungen Menschen kennen ihn nicht mehr, nicht den Geruch von Tannennadeln. Branntwein; so viel Wärme strahlt aus diesem Wort — Ich bin betrunken, nicht tauglich zu schreiben. Ich verschwimme in den Gedanken dieses Geruchs von Wäldern, dunkelgrüner Einsamkeit.
Welches Fazit würdest du unter deine Vita schreiben? Geht es da noch um Qualifikationen, um Reife? Ich kann auch gut ohne leben, „sich selbst ein wenig im Wege stehend“. Warum zeigen sie immer die Filme der Menschen, die kurz vorher verstorben sind? Wieso zeigen, was tot ist, wo wir noch leben, immer noch….
Doch da liegt auch der Trost, denn sie sind tot und nichts wird bleiben, von ihnen. Es gibt nichts zu erreichen, außer dem Nichts, das auf uns wartet.

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memento mori

Ich bin geduldig geworden, in meiner Rastlosigkeit, weiß ich doch, wohin die Zeit führt.

Lau bin ich geworden, in meiner Sehnsucht, weiß ich doch, dass Nichts mich erwartet.

Mir ist langweilig geworden, in meiner Angst, weiß ich doch, dass alles kommt, wie es muss.

Was soll aus mir werden? Ich weiß es nicht

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verlegen, heiter

seitenblicke, kaffee
und der geruch
von Asche,
kalt
aber herzlich,
irgendwie doch
ein Lächeln,
irgendwoher.
Fragend?
vielleicht ist
einfach ein Lächeln
alles,
was ich brauche.
ein dünnes Lächeln,
nicht schmatzend,
oder feucht, und
doch warm,
für mich,
so meine hoffnung,
die still und leise,
sich legt,
in dieses Lächeln,
dies trockene,
mit dem geschmack
von kaffee
und Asche

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Shoutbox

Aus sicheren Quellen wurde mir heute die Information zugespielt, dass an dem Voting über die Einrichtung eines Gästebuchs nur blogger.de Mitglieder teilnehmen konnten. Da ich das ganze eigentlich als Plattform für eben die Leute ohne einen solchen Account nutzen wollte, ist das Voting damit hinfällig. Um besagten Leute nun endlich auch mal die Möglichkeit zur Äußerung geben zu können, gibts es von nun an ne shoutbox unten links auf der Seite. Nutzt sie gefälligst, sonst wird das arme böxchen radikal entfernt ;)
Also: Frohes Schreien!

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Simplicissimus (Teil 2) – Innere Sicherheit

Hier liegt das Problem: Wenn man sich die heutige Konnotation des Begriffes „Eigenverantwortung“ ansieht, muss man bemerken, dass dieser Terminus öffentlich ausschließlich als finanzieller auftaucht. Auch fällt einem die seltsame Trennung von Verantwortung und Freiheit auf, die man dabei heute voraussetzt. Man ist verantwortlich, für Dinge, die man nicht beeinflussen kann. Dabei werden Freiheiten unterstellt, die man gar nicht besitzt, aber das ist nur ein Nebenschauplatz.
Freiheit wird mit Sicherheit kontrastiert, letztere ist zum Leitmotiv in Wirtschaft, Gesellschaft – ja überall geworden. Freiheiten und Selbstbestimmung sind heute nicht nur nicht erreicht, ihnen wird ausgewichen, wo es nur geht. Als symptomatisch kann die Debatte um die innere Sicherheit gelten. Dort wurden massive Restriktionen gegen alle Bürger hingenommen, ohne dass diese durch akute Bedrohungen oder wenigstens präventive Erfolge gerechtfertigt worden wären. Zur Erinnerung: Rasterfahndung, Telefondatenspeicherung, Lauschangriff, verstärkte Videoüberwachung, PC Durchsuchungen, Geruchsproben, finaler Rettungsschuss — der einzige groß angelegte Anschlag in Deutschland wurde letztlich durch die Unfähigkeit der Bombenbauer verhindert. Immer wieder lässt sich feststellen, dass Terroranschläge, wenn überhaupt, nur durch den Zufall oder klassische Wege, wie etwa aufmerksame Passanten vereitelt werden können.
Dennoch ernten auch die extremsten Vorschläge Lob. Wolfgang Schäuble etwa stellt Überlegungen über den weitmöglichst hergeholten Fall auf, dass deutsche Truppen in Afghanistan Osama Bin Laden aufspüren würden und als einzige die Möglichkeit und nur diese Möglichkeit hätten, ihn per Marschflugkörper zu töten. Für diesen Fall sei unsere Demokratie nicht wehrhaft genug, deshalb müsse das Grundgesetz überprüft, bzw. die präventive Tötung von ‚Gefährdern’ gesetzlich verankert werden. Nun muss man gar nicht darüber nachdenken wie unwahrscheinlich es ist, dass deutsche Sanitärsoldaten zufällig einen Zettel mit der Adresse Osamas Verstecks finden, um eine derartige Initiative auch nur aufgrund der anfallenden bürokratischen Kosten für Wahnsinn zu halten. Und dennoch, es wird in diese Richtung weitergedacht, weitergemacht.
Es ist schon erstaunlich, wie begehrt vermeintliche innere Sicherheit doch ist, was man bereit ist für sie zu geben oder sich antun zu lassen, wo doch der Innenminister selbst so klug ist, keine Garantien geben zu wollen. Risiken sollen nunmal minimiert werden, vor allem dort, wo sie für einen selbst nicht greifbar sind. Auch die neuere Nulltoleranz beim Nichtraucherschutz erscheint mir stellvertretend für die Sorge vor unsichtbaren Gefahren, deren Auswirkungen letztlich wesentlich geringer sind, als Aufhebens um sie gemacht wird. Der gesunde Mensch fürchtet sich heute mehr vor einem qualmenden Aschenbecher unter freiem Himmel, als vor Haushalts- oder Verkehrsunfällen.
In einer nahezu sicheren Gesellschaft verwundert es, wie viel Angst vorherrscht und eben auch, wovor die Leute Angst haben. Deshalb wirken noch so restriktive Maßnahmen populär, sie halten die zerbrechliche Illusion von Sicherheit aufrecht. Und nur dieses Sicherheitsversprechen kann den arbeitenden, sparenden, raffenden Bürger seines gerechten Lohnes versichern. Im Angesicht dessen, was er zu verlieren hat, erscheint ihm Freiheit weniger als Perspektive sondern vielmehr als Bedrohung.

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