Feb 18 2010

Unruhe

Mich klagt die Stille an: Warum nur sprichst du nichts?
Mich klagt die Starre an: Warum nur machst du nichts?
All diese Klagen jagen mich aus tiefem Schlaf. Alle jene Fragen stellt mir, was nichts sagen darf.
Es ist kein Wissen, was Gewissen ist. Jedoch gewiss, da mich der Zweifel frisst.
Und da sie stets in Ewigkeiten misst, trotzt nur die Liebe noch.
Noch.
Dann folgen lose Seiten, leere Zeiten.
Dafür muss stille Starre mich bereiten.


Feb 10 2010

Frühling

Tiri Tira, die Weiber sind zum Vögeln da,
die Welt heißt das zu nutzen.
Tiri Tiraun, bloß Denken schlafft den Hosensaum,
verflüssigt jäh den Stutzen.
Die Felder tauen, es spannt der Hahn
sich wacker vor die Kammer.
 dieu, ihr Frauen, mir grient der Wahn.
	Ich schieß mir in den Kopf.
		Mit einem Minié!
		Geladen wird’s von vorn,
		Mit Pulver und mit Horn,
		solch Ende tut nicht weh.
	Da geht ein armer Tropf.
Trara, Palim, dass ich am End zufrieden bin,
so bar von jeder Scham,
das überrascht.

F: Doch horcht! Wer spricht  so leise durch die Kammertür?
Wer flüstert nur durchs Schlüsselloch und wagt sich nicht herfür?
F: Ein Dämon, der den Zweifel wagt, von Anstand und von Sitte,
ein Geist, den jähe Reue plagt, das Wissen um die Mitte,
die, sagt man, gutes Leben prägt, und Rettung sei der Seele;
nur all zu schwer erreichen kann, dass man sie nicht verfehle.
F: Ein Wahn ist es, der Reden glaubt, von Ordnung und von Sinn,
von einem Grund des Lebens spricht, so tief und so weit hin,
dass er als steter Horizont am Ende dieser Welt,
und jener mächtgen Sonne gleich, das Innerste erhellt.
Ich kenne dieses Hoffen auch, ich weiß um jenes Licht,
einst blendete es mich selbst, drum misse ich es nicht.
F: Und wenn du noch geblendet bist und dich dein Sinn belügt?
Wenn dich die andre Hoffnung nun statt dem von Neuem trügt?
F: Ein Hoffen ist’s, ich leugne nicht, denn Hoffnung trägt die Welt,
doch weder Glaub noch Sinn ist es, was diese Hoffnung hält.
Ein Ende bloß, kein Zugewinn, ist mir nunmehr zum Ziel,
verlangt man Nichts und Niemanden, so will man kaum zu viel.

Aug 4 2009

Er

Er bereist das Land schon wieder quer, von ihr zu ihr. Er weiß schon wieder nicht, was er wo soll, wohin, woher. Da steht er hart im Wind. Da sitzt er weich, allein. Und längst schon reicht die Fahrt, das Neue reicht nicht aus. Das Meer.
Da liegt nichts an. Da ist kein Wunsch, ein Wollen nicht. Wenn er denn träumt, dann träumt nicht er. Und hinterher bleibt es doch stets zuvor. Die Tage liegen unvermengt, die Nächte ziehen leer daher. Er will schon lang nicht mehr.
Eine Stimme hört er noch, als wenn es seine wär. Nur wenn sie spricht, fällt ihm das Atmen nicht so schwer.


Mai 20 2009

keine Sentenz

Mein Herz, es hämmert Schlag auf Schlag auf Schlag. Wozu braucht er so viele Nägel nur, mein Sarg? Tag für Tag für Tag hämmert das Leben Nägel mir ins Herz, bis ich den Lärm nicht mehr ertrag und die Pointe setze unter diesen schlechten Scherz.


Mai 20 2009

ad finem

Atem streichen lassen, wie Klingen auf der Haut. Hände schneiden lassen, wie Scherben in die Haut, die Nerven aufgeraut. Den Puls im Herz, des Bett mit dunklem Blut betraut. Die Knochensäge angesetzt, oh what a mess. Dein Hirn hat nichts Erhabenes, liegt da wie Erdbeereis. Es taut. Die Lippen lächeln einen schlechten Scherz. Sei still. Hab alle unsere Jahre bald zerkaut und da ich jetzt dein Innerstes geschaut, dreh ich die Augen himmelwärts.


Mai 12 2009

Freund

Freund, frisch zur Hand und reich dem Jüngling den Pokal. Auf diesen Schluck Vergessen wartet eine Welt, die bloße Angst vorm Nichts noch in den Fugen hält. Ein Durst, der sich in dünnem Blut erfand.

Zertrenn das Band, das mich ans Leben knüpft. Zerschlag der Hoffnung Stütze. Sei mir ein Freund, in dieser letzten Nacht mir endlich zu was nütze. Bring das Geschirr, füll meinen Becher zum Rand.

Den Trank aus blassem Kraut, vom Doldenschieferwein. Schenk ein, den Flurenmost, dass tief im Bauch der Traum entgast. Dort hab ich Leben, Liebe längst zu blutgem Stuhl verdaut.

Nein! Was zu reden war, ist aufgeschrieben. Was Leben ist, ward längst gesagt. Es nagt kein Wunsch, kein Glauben mehr an mir. Wer nie gewann, ist schließlich der, der nichts mehr wagt.

Niemand mehr hier, der mich entzweit. Nun kenn ich alles, hab die Welt geschaut. Bald wird es wieder jung und kalt. Ich freue mich darauf, wie man sich auf die Erde freut.

Freund, schweig. Reich einem alten Mann seinen Pokal. Nach diesem Schluck Vergessen dürstet eine Welt, die aus dem Nichts entstand und die ins Nichts zerfällt.


Mai 5 2009

Passage

Ich wollte etwas schreiben: Mit Körper, Seele, runden Formen. Nun will es nicht, nicht passen. Und doch, du hättest es verdient.
Ich wollte etwas sagen, so lange schon und ja, es will nicht passen. Dabei wär‘s weder rund noch körperlich, nur Seele hätte es, wenn es denn sowas gibt.
Ich wollt, ich könnt dich lesen. So wie auf meinem Blatt Papier, in dir ein Stück von mir. Doch schein ich nicht zu passen.


Apr 16 2009

Tagebuch (verwitwet)

Ich laufe auf Miseren – eigentlich ganz gut. Mit neun atü im Kessel und Doppelkorn im Blut. Mein Hirn klebt an den Sternen, mein Arsch schwitzt am Klosett. Ein Sextett der Affären – bloß Schwachsinn gibt noch Mut. Die Welt glänzt gold von Fett. Ich trug denn Müll hinaus, hinein. Ich ließ das Denken sein, Schluss aus. Der Waidmann Losung nennt, was man als Scheiße kennt. Wer da an Liebe denkt - hat’s raus.
Soviel zu Wunsch und Sehnen, zu Grablegung und Sinn. Ick stoh mit bieden Beenen dor in.


Apr 15 2009

Der Gourmet

Das Verlieren lässt sich nur genießen, wenn man versucht es zu vermeiden. Dann aber, schmeichelt es. Bestätigt die Weltanschauung, hat man erst die passende. Ich bin ein Gourmet. Nehme kleine Bissen, nicht zu große Schlücke.
Luxus heißt vergeuden zu können. Was Wert hat, einfach wegzuwerfen. Ich lebe das Verschwenden. Was mir wichtig ist, gebe ich ab. Stück für Stück, mit jedem Versuch, es zu erhalten.

Lass los, was du begehrt. Und wird es draußen grün. Egal, wie sich’s verfärbt. Nimm hin.


Apr 14 2009

schade, eigentlich


So’n Mann wie ich
ist eigentlich.
Er träumt Sie nur
in Worten.
Nicht fasst er Sie,
noch zeigt er ihr,
das Wir als
Utopie.
So’n Mann wie ich
ist schade,
eigentlich.