Mär 7 2010

Brotkrumenkunst

Jetzt seit langem mal wieder etwas in eigener Sache. Da mein kleines, recht unauffindbares Weblog wohl der falsche Rahmen ist um themenbezogene Texte zu veröffentlichen, schreibe ich diese seit Neuestem und leider exklusiv auf Suite101.de. Das hat für mich den Vorteil, dort im besten Fall sogar Tantiemen für etwaige Werbeeinnahmen zu erhalten. Dabei verbleiben die Rechte an meinen Texten bei mir. Seien sie aber unbesorgt: Meine ansonsten ganz und gar brotlose Kunst werden sie hier auch weiterhin werbefrei konsumieren können. Die Suite101 Veröffentlichungen sollen, wie gesagt, eher sachlich, leichter verständlich und unterhaltsam werden. Bester Webjournalismus also. Zwei Gründe veranlassen mich dazu, an dieser Stelle darauf hinzuweisen: Ich würde mich freuen, wenn auch einige meiner üblichen Leser an meinen dortigen Artikeln Gefallen finden würden. Weiterhin ist dort bisher noch keine Kommentarfunktion eingebaut, weswegen etwaige Nachfragen nur im Rahmen dieses Blogs geklärt werden können. Sie als Gonzosophie-Leser haben somit quasi einen Premium Zugang. Als Entschädigung könnten sie sich ruhig mal für die eine oder andere Werbeanzeige interessieren. Aber bitte auch nicht zu sehr – ich will ja nicht des Klickbetruges beschuldigt werden!


Sep 24 2009

Nicklichkeiten und Nichtigkeiten

Mein Leben ist eigentlich recht gut strukturiert. Entweder fürchte ich mich, bald an einer schrecklichen Krankheit zu sterben, oder ich denke über den Freitod als ultima ratio nach. Verbunden ist dies mit der zugehörigen Schlafstörung. Die Angst treibt einen nach wenigen Stunden aus dem Bett. Der Unwille zu leben wirkt dagegen recht einschläfernd und ihm verdanke ich, momentan sehr gut zu schlafen, angstfrei aufzuwachen. Ein angenehmes Gefühl: Den Tag in Ruhe nach allen Anderen mit Kaffee zu begehen, das Frühstück ausfallen lassen. Bald schon ist Abend. Und man hat ein Ziel, über das man nicht einmal groß schreiben müsste.
Am Sonntag sind Wahlen; dies und ein Geburtstag sind die eigentlichen Gründe, mich wieder einmal an die Scheinöffentlichkeit zu wenden. Wenn Sie nicht wollen, gehen sie bitte zu Beidem nicht. Sie werden durch ihr Fernbleiben kaum etwas ändern. Bei bürgerlichen Groß- wie Kleinveranstaltungen ist es nicht der Einzelne, der zählt. Die Gruppendynamik allein wird von Bedeutung sein. Ich für meinen Teil, werde mich wohl weder hier noch dort enthalten wollen können. Das allerdings ist pure Geltungssucht.
A propos. Bitte verschonen Sie Ihre Mitmenschen damit, in Diskussionen Ihre Privatinteressen als öffentliches Anliegen zu kaschieren. Wenn sie tatsächlich glauben, die FDP sichere Ihnen und Ihren Kindern jenes überdurchschnittliche Gehalt, dann wählen Sie die halt. Jedes Volk erhält die Regierung, die es verdient. Außer vielleicht in afrikanischen Staaten.
Und könnte mir mal bitte jemand sagen, was man mit der vielen Zeit anfangen soll, wenn man erst festzustellen glaubt, doch an keiner fatalen Krankheit zu leiden? Nicht das ich Probleme mit der Auffindung zeitraubender Nichtigkeiten hätte. Aber die Frage zielt schließlich nicht darauf ab, was man machen könnte, sondern sollte. Antworten bitte postwendend an meine neue Adresse. Ich hab auch so ein nettes Namensschild davor geklebt.


Jul 25 2009

In eigener Sache

In den Augen meiner Mitbewohnerin bin ich ein Bauer, denn ich wuchs in einem Dorf auf. Dort gab es Bauern, eine handvoll, deren Erkennungszeichen karierte Hemden in umgürteten Jeanshosen waren. Ich habe niemals Hemden unter Gürteln in Jeanshosen getragen. Dennoch hat mich mein Umfeld geprägt. Ich wollte dort weg.
Meine Sozialisation ereignete sich dementsprechend in der nächstgrößeren Kleinstadt. Ich bin meinen Eltern noch heute zutiefst dankbar, mich dort auf eine konfessionelle Schule geschickt und mir somit die Eingliederung der Gemeindegesamtschule erspart zu haben. Anders als an dieser waren in jenem Hort des Katholizismus nicht nur die Schüler weitaus vielschichtiger: Sie soffen nicht bloß, sie hörten auch Musik. Und gleichwelches Geschlecht, es gab unterschiedliche Frisuren.
Zu meiner eigenen Überraschung wurde ich nach eher schleppendem Auftakt irgendwann recht gut in der Schule. Es war wohl zu der Zeit, in der die meisten Menschen aufgrund ihres hormonellen Haushaltes zumindest hinsichtlich ihrer schulischen Leistung einknicken und dabei Leute wie mich weitaus intelligenter aussehen lassen – der Benotung nach Klassenschnitt sei dank. Frauen brachten mir nie etwas anderes als Frust. Und wer hier liest, der weiß, dass Frust einer der wenigen Motivatoren in meinem Leben ist.
Doch man mag es kaum glauben, die ganze Mittelstufe hindurch war ich der Klassenclown. Mein Hang zur Ironie verfärbte sich erst später ins Tiefschwarze. Ich selbst kann es nicht mehr glauben, aber zu jener Zeit gehörten kanariegelbe Hemden und Shorts mit riesigen Sonnenblumen darauf durchaus zu meiner Garderobe. Dabei blieb es jedoch nicht. Gott sei dank.
Nach meinem Abschluss wechselte ich von der konfessionellen Schule an eine Klosterschule. Dort sammelte ich die wohl seltsamsten und prägenden Eindrücke meines Lebens: Ich traf die ersten Hippies, erhielt meine erste Eins in Religion bei jenem Lehrer, der Marienbildnisse als „Wichsvorlagen für Zölibatäre“ bezeichnete und trug zum letzten Mal Kleidung, die mehr als zwei Farben aufwies. Ein geistig fruchtbares Umfeld - es gab sogar Philosophieunterricht.
Wenn ich heute das Wort “Politeia” lese, muss ich immer an jene Kleinstadt zurückdenken, deren Größe wohl mit der des antiken Athens vergleichbar ist. Und ebenso vergleichbar war die soziale Struktur: Ab einer gewissen Ebene kannte man sich. An jener Schule trafen sich der Sohn des Bürgermeisters, des größten Bauunternehmers und auch des Zahnarztes mit dem kleinen Stadtschlösschen. Nur Sklaven gab es nicht und anders als unter den Geistesgrößen der platonischen Akademie war hier die Lohnarbeit nicht als Gedankentod verschrien. Schließlich wurde man von Lohnarbeitern unterrichtet, von den paar Mönchen einmal abgesehen. Genau wie in Athen jedenfalls, reisten die Schüler mit größeren Karossen an und ab als ihre Lehrer.
Heute frage ich mich manchmal, in welcher Weise mich meine Jugend zu dem gemacht hat, was ich bin. Obschon ich viele grundlegende Gedanken und Ansichten schon mein ganzes Leben zu haben glaube, sollte man sich doch nicht zu leichtgläubig dem eigenen Storytelling hingeben. Hat man nicht schon oft genug den Satz gehört, Prioritäten würden sich ändern? Meiner Erfahrung nach sind es jedoch eher Entschuldigungen, die sich ändern. Prioritäten (z.b. „Ich“ oder „Wir“) bleiben sich meist gleich.
Was die Persönlichkeit prägt sind deshalb vielleicht auch nicht jene Dinge, die man macht. Eher, was man unterlässt. Logisch gesehen, ist das nur Haarspalterei, aber Logik ist nicht alles. Das war leider erst eine meiner späteren Erkenntnisse im Umgang mit Menschen.


Jun 12 2009

U-0-815

Beide Diesel schweigen. Der Lagewinkel stimmt, die Fahrt ist abgenommen und es nicht weit dorthin. Ein satter Schuss, ein voller Treffer. Mit lautem Knall geht es hinab. Naja, paar Stunden dauert’s schon, wenn so ein großer Kahn versinkt. Bis unten auf den Grund hört man Metall sich biegen und die Atemluft entweicht – nach oben. Immer wieder sieht man hier und dort die Piepels an die Oberfläche schießen, wie Korken in nem Regenfass. Dann zappeln se, sie winken, schreien was von Hilfe und von Gott. Doch nicht zu lang. Die Kälte hat so schnell Erbarmen mit den armen Seelen. Von hier schaut schließlich alles gleich sich an: Ist das ein Kopf, ein Fass? Uns ganz egal, wir machen klar zum Tauchen. Mit aller Kraft voraus, so lang die Luft noch frei von Brummern ist. Die kommen schnell, wenn nur der erste Pott versenkt, und gucken ob wir nicht so blöd sind Rettungsboote abzusetzen. Blöde sind wir nicht. Ne halbe Minute braucht’s, dann sind wir unsichtbar und still. Dann machen wir uns auch hinab und hören nichts als leises Summen der Motoren und manchmal wie ein kalter Körper an die Bordwand schlägt.


Jun 3 2009

Twittern heißt: Viel zu Wenig sagen.

Überzeugen sie sich selbst.


Mai 30 2009

Siel XVII

Fatale Weltsicht. Wenn Herr Siel auch zu spät geboren worden war um die 68er mitzuerleben, so beeinflussten ihn Slogans wie „Macht kaputt, was euch kaputt macht!“ doch nachhaltig.


Mai 19 2009

Manchmal sagt ein Lied mehr als … kein Lied.

auf zum Vorstellungsgespräch.


Mai 18 2009

Von Arbeit

Ich wollte es versuchen, bewarb mich auf eine Stelle, die der Außensicht auf mein Leben gerecht zu sein schien. Eine Arbeit im universitären Bereich, kinderleicht verdientes Geld, wie mir von Kennern der Materie versichert wurde. Natürlich wurde ich nicht einmal zu einem Gespräch eingeladen. Mich brachte dies zu der Erkenntnis, dass meine Qualifikationen wohl doch im Bereich der unqualifizierten Hilfsarbeit liegen. Zwar nicht kinderleicht, aber zumindest ehrlich verdientes Geld. Drum bewarb ich mich nun als Versuchsperson und für die Nachtschicht in einem Industrielager. Die Resonanzen hier waren gleich viel positiver. Ich hoffe nun endlich wieder genug Geld verdienen zu können, mir um Bierpreise keine Sorgen mehr machen zu müssen. Denn Sorgen habe ich auch so schon genug. Nur damit sie es wissen.


Mär 24 2009

Aus aktuellem Anlass…

“Eine größere Investition in die Wohnsubstanz erzeugt gleich ein nicht zu unterschätzendes Mehr an Lebensqualität, wodurch eine entsprechende Mieterhöhung in jedem Fall gerechtfertigt ist. Natürlich können sie auch jederzeit ausziehen.”



Feb 25 2009

Siel XVI

Fatale Weltsicht. Nachdem er alle anderen Phobien durch Konfrontationen überwunden hatte, machte Herr Siel sich schließlich daran, auch seine letzte Angst mit einer Kontakttherapie auszukurieren.