Stoßzeit

Wohin laufen die eigentlich alle, da draußen? Gibt es dort ein Ziel, etwas Lohnendes? Ich …geh nicht mit. In diese Städte, noch immer voll gesogen, mit Zuckerwasser, Milch, schwarz, verschimmelt und vergoren. Von Sonnenstrahlen angeröstet — wie Karamell. Klebrig. Unbarmherzig. Aus Wein wird niemals Traubensaft. Dies ist der gleiche Staat, im Aufschwung. Ich pendele zwischen Angst und Hass, neige zu Ekel. Seht euch doch an. Geduckte Schnellverzehrer. Gedankenlos, tatfreudig, zuhaus in Plastikschrott und Biomüll. Wofür?
Sie wissen’s selber nicht, es ist egal, und buhlen noch und prahlen unter ihrer schrillen Qual, als wär ein Arsch für Hoffnung, Sinn das Futteral. Als hätten sie in diesem Topf das Glück entdeckt, solange nur der Stopfen in ihm steckt. Verreckt auch mancher nebenbei, was macht das schon. Einerlei ist alles, solang die Glotze singt, das Bett nicht kalt. Ein Quatschkonzert.
Die einzge Sünde, die verbleibt, sich aufzuregen. Das Ketzertum ist Quengelei. Niedergeschlagenheit, Schilddrüsenunterfunktion. Dagegen gibt es Pillen, so viele. Ich lerne meine Lektion auch noch, ich muss, wir müssen. Die Gesellschaft gibt niemandem eine Aufgabe, die er nicht bewältigen kann. Scheitern ist ein Laster. Tue Buße, befreie dich davon.

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reductio ad absurdum

Ich reduziere mich, Tag für Tag streife ich Eigenschaften ab, versteife ich mich auf nackte Existenz. Meine Gedanken sind rudimentär. Mit jedem Morgen werde ich hohler, blasser, wie der Mond, wenn er am Tag versucht zu scheinen. Mein Potential ist banal. Ich bin nur ein zerschlissenes Ornament, ein Ableitungsfehler. Es gibt nichts, dass sich nur unter Annahme meiner Existenz hinreichend erklären ließe. Ich bin gezeichnet, nicht gravierend. Bin keine Wirkursache, auch keine causa finalis. Die überflüssigste aller Entitäten. Längst hätten meine Widersprüche bemerkt werden müssen. Mein Leben ist Verifikation der Kontradiktion meines Selbst. Glücklicherweise hat noch kein Rasiermesser dies entdeckt. Warum sollte man auf mich mehr Rücksicht nehmen, als auf Gott? So schleiche ich mich durch die Institute, durch die Schulen und warte nur darauf, dass man es aufdeckt. Mich streicht. Lange wird es nicht mehr dauern.

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Der Alb

Manches Mal in ruhigen Nächten, wenn draußen nicht einmal der Wind sich regt und auch Freund Mond von seinem Lichte der kargen Erde gar nichts gibt, da lieg ich wach, ja fürchte mich und ich erwäge: Was nur, wenn hinter all der Schwärze das Feuer zweier Augen läge? Wenn aus alter, böser Sage, ein Dämon oder gar der Tod sich heimlich zu mir schlich.
Und ich spüre schon wie er sich aus den Schatten beugt, mit schwerem Atem fispern feuchte Lefzen an mein Ohr: „Du kennst mich. Immer war ich da. Ich strich umher, lag unter deinem Kinderbett. Ich war bei dir, von Anfang an. Nur schlief ich manches lange Jahr. Und fast vergessen hättst du mich… Schau an, wie alt du schon geworden bist. Nun sag mir, wer hat mich zurück gebracht? Ja, was hast denn du gemacht, mit deiner Zeit?“. Und leise lacht das Lästermaul.
„Nun sprich schon, ich mache dir ein Angebot. Ich lass dich los, ich geb dir Leib und Geist zurück, nennst du mir nur ein einzig Ding. Nennst mir auch nur ein einzig Mal, wo du mit deiner jungen Kraft, wo du mit allem Atem, Schweiß und Blut verlangtest, und errungen hast ein teures Gut. Nur eines das dir wichtig war — untrennbar nah an deinem Herzen. Eines nur – nun sprich! – das dir nicht einerlei und … du wärst frei“.
So sprach, in dieser Nacht, nur er. Und Stille ward mein Schlaf, mein Atem. Ich erwachte
niemals mehr.

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…würde das helfen? Ich würge mir den Schnaps herunter, den Klaren. Ich spüre wie der Ekel durch die Kehle rinnt, wie er mir durch die Därme brennt. Ich spüre Leben, das unter meinen Scheitel kriecht. Oh meine Seele,
mit alten Herren Saufen ist was mich vergessen lässt wie jung ich war und sein müsste. Wenn doch nur dieser Traum nicht wär, von dir, von Tag, von … Gestern.
Ich schluck es weg. Ich spül es runter. Sollt sich doch noch etwas melden, geh ich ans große, weiße Telephon.
Mein Atem stinkt wie dieses Leben. Ich kotz den Schlund mir wund, und
find mich nicht, und find dich nicht. Ich taumel längst den Weg nach Haus. Ich falle.
Auf Pflastersteine, dort wo sie lose liegen. Manchmal heb ich sie noch auf.
Will werfen.
Will

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zum Abend

Wer hat mir ein Bett gemacht? Hast du mir etwa Kissen aufgeschüttelt? Was soll das alles, ist ein Brett, ein hartes nicht mehr gut genug? Schau mich mal an. Vom Alter, Suff vom Schlaf zerrüttet. Das wäre an mir selbst Betrug. Ich bin nicht weich, ich passe nicht in ellentiefe Daunendecken. Schon gut, ich weiß du nimmst es leicht, doch — Lass nur sein. Leg dich hinein. Ich schlaf allein. Dein Atem wird mich schon nicht wecken.

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