Reflex

Jeden Tag aufs Neue steht man von den Büchern auf, setzt sich vor ein leeres Blatt und wartet. Passiert etwas? Völlig im Jetzt doch gar nicht richtig da. Eigentlich hat man längst alles gesagt. Blogs sind Redundanz in Reinkultur. Je aktueller sie sind, umso schlimmer wird es. Ähnlich dem Wetter. Rauschen erzeugt man mit Anknüpfungspunkten, Allgemeinplätzen, mit Banalitäten. Indem man über seine Gesundheit schreibt, das Bloggen, das Wetter.
Mir geht es nicht anders. Ich flache ab, ich kränkle. Kopfschmerzen, Schnupfen, Müdigkeit. Gott, dieser Tag ist zuviel für mich, diese Woche. Möchte mich verkriechen und bin schon längst verkrochen.

Was habe ich geschrieben, die letzten Tage? Der jüngste Text ist immer der schlechteste, wird es immer sein. Man möchte ihn gleich löschen, mittlerweile weiß man es besser. So entstehen Zettelberge, Logdateien, Backups des Versagens, aus denen man Schöpfen kann. Nur kratzt der Staub während des Lesens etwas an der Stimme. Ich versuche mich zu konzentrieren. „Klar zu kommen“. Sehe doch nur Funken in den Augenwinkeln. Es ist schon wieder mitten in der Nacht und ich erneut im Bann dieser seltsam müden Euphorie. Manie vielleicht. Das erkennt man erst hinterher, beim Wühlen in den Tagen, den Zettelbergen. Immerhin, ein ganzer Text ohne dieses ewige „du“.

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ein selbiges

In keiner meiner Zeilen ward ich das „Ich“ je los. So auch bei dir. Bei allem was ich für dich schreibe. Ich bleibe immer nur bei mir. Und wollt, dass „Ich“ dir einmal wichtig wär. Und will es noch so sehr, je mehr du mich links liegen lässt. Alle Gedanken wanken um dich her und fassen dich doch nicht, und bleiben leer. –
Kinderreime, Gutenachtgeschichten, „Du“ wiegt mich in den Schlaf. Kein alter Tag steht mit mir auf. Kein neuer wagt sich zu mir her.

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Rechtsstaat

„‚Ich fragte den Beamten in was für einem Land wir eigentlich leben und er antwortete “In einem sicheren” . Zum Schluss wurde uns dann auch die Hand gereicht.“‚

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Noch nicht zu kalt um aus dem Fenster zu rauchen

Man fährt am Abend durch die bereits sehr dunklen Städte und sieht überall diese geschnittenen Lichter. Fensterfronten, in denen Leute sitzen, trés chic. Ich bin kein Kaffeehausliterat. Ich habe so viel Stil nicht. Brühe meinen Kaffee selbst auf, meine Gedanken. Und doch kehre ich ein, obschon unvorbereitet. Der Alkohol hilft. Ein kleines blondes Mädchen, das Wodka aus Suppentassen ext. Gespräche über die leibliche Auferstehung. Dieser Abend bedeutet Heimat. Ich war zu allein die letzten Wochen, und wunder mich selbst über den Eindruck, den ich dennoch mache, irgendwo. Wenn auch nicht so wie gewollt.
Und nun, einen Tag und eine Nacht ausgenüchtert sitze ich wieder, allein. Ich tauche meinen Federkiel in frisches Blut und schreib auf knöchernes Papier die Verse deiner weißen Haut. Und weiß nicht mal was ich sagen will. Meine Gedanken verlieren sich in Bildern, hängen im Zwielicht, im Rauch.
Wieso diese plötzliche Vorliebe für blondes Haar. Reflexionen. Liegt vielleicht an der Jahreszeit. Die Tage verbrauchen sich ehe man wach ist und warm. Zeit für fette Eintöpfe und Briefe. Schreiben, kratzen, wiedermal. Das Menschen antworten, darf man dabei nicht erwarten. Gesäht wird nicht mehr, nicht mehr geerntet, alle sind längst zusammengerückt. Halten sich durch den Winter, gegenseitig.
Verständlich alles und dennoch niemals familiär.„This is the strangest life I ever known.“ Und dank Zeitumstellung falle ich endlich einmal müde ins Bett. Ohne Wecker, ohne Morgen. Kein sollen. Einfach so

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Stoßzeit

Wohin laufen die eigentlich alle, da draußen? Gibt es dort ein Ziel, etwas Lohnendes? Ich …geh nicht mit. In diese Städte, noch immer voll gesogen, mit Zuckerwasser, Milch, schwarz, verschimmelt und vergoren. Von Sonnenstrahlen angeröstet — wie Karamell. Klebrig. Unbarmherzig. Aus Wein wird niemals Traubensaft. Dies ist der gleiche Staat, im Aufschwung. Ich pendele zwischen Angst und Hass, neige zu Ekel. Seht euch doch an. Geduckte Schnellverzehrer. Gedankenlos, tatfreudig, zuhaus in Plastikschrott und Biomüll. Wofür?
Sie wissen’s selber nicht, es ist egal, und buhlen noch und prahlen unter ihrer schrillen Qual, als wär ein Arsch für Hoffnung, Sinn das Futteral. Als hätten sie in diesem Topf das Glück entdeckt, solange nur der Stopfen in ihm steckt. Verreckt auch mancher nebenbei, was macht das schon. Einerlei ist alles, solang die Glotze singt, das Bett nicht kalt. Ein Quatschkonzert.
Die einzge Sünde, die verbleibt, sich aufzuregen. Das Ketzertum ist Quengelei. Niedergeschlagenheit, Schilddrüsenunterfunktion. Dagegen gibt es Pillen, so viele. Ich lerne meine Lektion auch noch, ich muss, wir müssen. Die Gesellschaft gibt niemandem eine Aufgabe, die er nicht bewältigen kann. Scheitern ist ein Laster. Tue Buße, befreie dich davon.

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