Viskosität

Dass ich heute Morgen vergaß die Brille aufzusetzen, selbst als ich das Haus verließ, hatte weniger mit einer plötzlichen Verbesserung der Sehkraft zu tun, die mich die Notwendigkeit jener Krücke vergessen ließ, als vielmehr mit meinem nun schon sehr verschwommenem Verhältnis zum Leben. Unter Strom, gegen den Strom. Dabei stellt sich längst nicht mehr die Frage, ob mein Alkoholkonsum noch dem Leben dient. Für jeden Charakter gibt es eine ihm besonders entsprechende Droge, die ihn nicht betäubt sondern potenziert. Ich habe die Seele eines Trinkers, daher auch mein Magengeschwür. In diesen Zweig meiner Familie schlage ich aus. Dabei bin ich noch recht trocken, auch umgänglich. Meine Einsamkeit in Bezug auf das haptische Geschlecht liegt meiner aktuellen Einschätzung nach vor allem in meiner Abneigung gegenüber Fahrstuhlfahrten begründet, die ich doch als Kind noch wunderbar fand. Die Tür schließt sich, und öffnet sich an einem ganz andern Ort. Dieser jugendliche Wunsch begleitet mich oft in anbetracht meiner Wohnungstür. Deren Verknüpfung ist jedoch statisch. Naja, noch. Irgendwann fließt alles.

Dieser Beitrag wurde unter Autopoiesis veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.