Abwärme

Zu Schlaflosigkeit habe ich schon viel geschrieben und die Gedanken ähneln sich jedes Mal, zumindest formell. Bezeichnend ist die Nähe zum Tod, die das Einschlafen ausmacht. Es ist kaum verwunderlich wie alt die Metaphern vom ewigen Schlaf, Schlaf eines Toten etc. sind und welche Verbreitung sie gefunden haben. Wie der Schlaf erscheint uns der Tod als das ganz Andere und doch sind sie beide alltäglich, nahezu banal. Nur vergessen wir allzu oft, dass wir sterben müssen, da um uns alles so lebendig ist. Denn was nicht wach ist, das umgibt uns nicht, verbirgt sich oder wird versteckt. Die Nähe zum Schlaf erinnert uns wieder an die Nähe des Anderen. Sofern man niemanden hat, der einen ablenkt, einen ruhig schlafen lässt. Doch Schlaf und Tod bedeuten die absolute Privation, die Entbindung von allem außer uns selbst. Die letzte Ruhestätte, sie kennt nur Einzelbetten. Und auch der Schlaf ist ganz allein. Vielleicht fehlt einem, vielleicht sucht man deshalb vor allem hier das zu zweit, spricht vom miteinander Schlafen als Intimsten, was man teilen kann. Vielleicht auch deshalb, weil man sich in diesem Moment der Auflösung entblößt.
Es bleibt, um nun zu schließen, im Grunde mir nur eine Hoffnung: Dass jener Schlaf wie dieser auch durch jagende Gedanken und die bloße Angst, kurzum durch fehlende Bereitschaft so lang noch auf sich warten lässt, bis man ihn wirklich will, den Schlaf. Ich fürchte das bleibt Hirngespinst.

Dieser Beitrag wurde unter Minima Memoralia veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.