Wohnraum

Ich lebe im Quadrat, mit weißen Wänden, rau. Neben mir beinhaltet es 2 Tische, einen Stuhl, ein Bett. Ein Tisch zum Essen, einen für den Rest meines Lebens. Auf dem Stuhl sitze ich, im Bett liege ich. Meine Dimensionen sind nicht räumlich, sie sind funktional. Mein Blick ist gefangen, ich lasse das Fenster geschlossen. Die Zeit zirkuliert, doch ohne Tag und Nacht. Ich bin unabhängig vom Sonnenlicht. Ich gehe nicht raus. Ich bin ein Haustier. Ich altere auf 17 m². Manchmal besuchen mich Menschen und wir bringen uns Verwunderung entgegen. Sie schweigen verlegen. Erklären muss man nichts mehr. Jeder ist ausgewachsen. Selten beschwert man sich. Meine Einzelhaltung scheint nicht artgerecht. Unsinn. Ich bin mir selbst gerecht. Vielleicht zieh ich irgendwann um, in ein größeres Quadrat. Dachfenster wär schön.

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Wolfgang Schäuble: „Gefährder“ der Inneren Sicherheit

Der gute Schiller wirkt bei mir nach: „Dem Menschen ist aller Wert geraubt,/wenn er nicht mehr an die drei Worte glaubt“. Er sprach damals von Freiheit, Tugend und auch von einem höchsten Gedanken f.k.a. Gott. Haben wir dergleichen Worte heute noch? Um konkret zu werden sollte man dabei vielleicht auf eine Institution zurückkommen, die gemeinhin als vertrauenswert dargestellt wird. Wenn auch nicht direkt an das Innenministerium, so sollte man zumindest den Aussagen seiner Vertreter üblicherweise glauben dürfen – damit auch Herrn Schäuble seine Absicht, zukünftig „Gefährder zu behandeln wie Kombattanten und zu internieren [sic!]“. Die Handlungsoptionen reichen allerdings noch weiter, etwa zu „Extremfällen wie dem so genannten target killing“ dieser ‚Gefährder’ (was oder wen auch immer sie nun gefährden). Der grundgesetzeswidrige Katalog von Maßnahmen, die auch kommunikative Isolation, Abschiebung und diverse Überwachungsmaßnahmen auf sämtlichen Ebenen beinhalten, veranlasst Wolfgang nun dazu, ihre Ermöglichung „verfassungsrechtlich zu klären und Rechtsgrundlagen schaffen, die uns die nötigen Freiheiten [abermals sic!] im Kampf gegen den Terrorismus bieten.“
Nun ist weißgott schon viel über den Widersinn des Wortes Freiheit in Bezug auf ‚Anti-Terror Kampf’ geschrieben worden, aber dies bleibt bei allem Zynismus einfach nur bemerkenswert: Er fordert die Freiheit ein, Freiheiten missachten zu dürfen.
Kann man ihm das nun übel nehmen? Wahrscheinlich nicht, ist es doch seine Aufgabe als Politiker für uns die Komplexität undurchschaubarer Vorgänge anschaulich und begreifbar zu machen. Es gibt kaum einen undurchschaubareren Vorgang als die akute Bedrohung der Deutschen durch internationalen Terrorismus. Sie lauert überall und eben auch: nirgends. Da es abgesehen einiger weniger, misslungener Vorfälle keinerlei konkrete Anzeichen für sie gibt, ist es nur plausibel sie eben überall dort zu vermuten, wo man sie nicht sieht. Diesen Verdachts-Mechanismus gab es bereits zur Zeit des kalten Krieges: Da Amerikaner keinerlei Anzeichen dafür fanden, dass die russische Marine an verbesserten akustischen Ortungsmethoden von U-Booten arbeitete, zogen sie den Schluss, dass die Russen wohl ein fortschrittlicheres, beispielsweise thermisches oder magnetisches Ortungssystem entwickelt haben mussten. Die Nichtexistenz einer Bedrohung wurde zum Beweis einer viel schlimmeren Bedrohung, für die keine Beweise existierten. Und so mussten weit reichende Vorkehrungen getroffen werden, eben diese Bedrohung zu eliminieren.
Und so brauchen wir nun offensichtlich gesetzliche Grundlagen dafür, dass die Bundeswehr vor Fußballstadien Personalien kontrollieren und Durchsuchungen vornehmen darf. Notfalls muss sie dann auch berechtigt sein, mit einem target killing Marschflugkörper in ein Nest von Gefährdern zu schießen – die rote Flora wäre sicherlich ein begehrtes Ziel. Sicher alles notwendig um der horrenden Zahl von Terrorismustoten in Deutschland endlich Herr zu werden. Und anders als die Beschneidung des Rechts auf unbegrenzter Reisegeschwindigkeit, mit der man nur maximal 662 Menschen jährlich retten könnte, sind Online Durchsuchungen und gezielte Tötungen in eben diesem höchst wichtigen Auftrag gerechtfertigt.
Und doch bleibt es irgendwie paradox. Gesetze sollen für uns den komplexen Alltag strukturieren und damit vereinfachen. Sie sollen Kontingenz beschneiden oder zumindest verständlich machen. Dabei resultiert aus jeder Maßregelung der Komplexität, aus jedem Gesetz Unfreiheit. Gerade die Möglichkeit, ja die Notwendigkeit frei zu denken wird durch Schablonen und Verbote eingeschränkt. Paradox wird es bei Gesetzen, die uns Freiheiten garantieren sollen. Noch seltsamer allerdings in eben unserem Fall: Gefordert werden Gesetze, die Freiheiten schaffen sollen von anderen Gesetzen, die Freiheiten garantieren sollen. Auch wenn man die Legislative als dynamisches System betrachtet, muss man angesichts dieser extremen Art der Dialektik schon staunen.
Verwirrt dadurch flüchte ich mich einfach zu Kant, dem verbriefte Rechte in jedem Falle mehr bedeuteten als materielle Sicherheit. Und eben auch zu Schiller, der noch an die Idee der Freiheit glaubte und das der Wert des Menschen maßgeblich mit dieser verbunden sei. Sie sollte nicht verdächtigt oder gefürchtet werden. Für ihn war Freiheit eines der Worte des Glaubens, und gerade durch sie charakterisierte er auch den Menschen:

„Der Mensch ist frei geschaffen, ist frei,
Und würd’ er in Ketten geboren,
Laßt euch nicht irren des Pöbels Geschrei,
Nicht den Mißbrauch rasender Toren.
Vor dem Sklaven, wenn er die Kette bricht,
Vor dem freien Menschen erzittert nicht.“

(Friedrich Schiller, Die Worte des Glaubens / Wolfgang Schäuble, zit. nach tagesschau.de, 07.07.07 13:21)

Mehr zum Thema:
http://gonzosophie.blogger.de/stories/851411/

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Wolfgang Schäuble: „Gefährder“ der Inneren Sicherheit

Der gute Schiller wirkt bei mir nach: „Dem Menschen ist aller Wert geraubt,/wenn er nicht mehr an die drei Worte glaubt“. Er sprach damals von Freiheit, Tugend und auch von einem höchsten Gedanken f.k.a. Gott. Haben wir dergleichen Worte heute noch? Um konkret zu werden sollte man dabei vielleicht auf eine Institution zurückkommen, die gemeinhin als vertrauenswert dargestellt wird. Wenn auch nicht direkt an das Innenministerium, so sollte man zumindest den Aussagen seiner Vertreter üblicherweise glauben dürfen – damit auch Herrn Schäuble seine Absicht, zukünftig „Gefährder zu behandeln wie Kombattanten und zu internieren [sic!]“. Die Handlungsoptionen reichen allerdings noch weiter, etwa zu „Extremfällen wie dem so genannten target killing“ dieser ‚Gefährder’ (was oder wen auch immer sie nun gefährden). Der grundgesetzeswidrige Katalog von Maßnahmen, die auch kommunikative Isolation, Abschiebung und diverse Überwachungsmaßnahmen auf sämtlichen Ebenen beinhalten, veranlasst Wolfgang nun dazu, ihre Ermöglichung „verfassungsrechtlich zu klären und Rechtsgrundlagen schaffen, die uns die nötigen Freiheiten [abermals sic!] im Kampf gegen den Terrorismus bieten.“
Nun ist weißgott schon viel über den Widersinn des Wortes Freiheit in Bezug auf ‚Anti-Terror Kampf’ geschrieben worden, aber dies bleibt bei allem Zynismus einfach nur bemerkenswert: Er fordert die Freiheit ein, Freiheiten missachten zu dürfen.
Kann man ihm das nun übel nehmen? Wahrscheinlich nicht, ist es doch seine Aufgabe als Politiker für uns die Komplexität undurchschaubarer Vorgänge anschaulich und begreifbar zu machen. Es gibt kaum einen undurchschaubareren Vorgang als die akute Bedrohung der Deutschen durch internationalen Terrorismus. Sie lauert überall und eben auch: nirgends. Da es abgesehen einiger weniger, misslungener Vorfälle keinerlei konkrete Anzeichen für sie gibt, ist es nur plausibel sie eben überall dort zu vermuten, wo man sie nicht sieht. Diesen Verdachts-Mechanismus gab es bereits zur Zeit des kalten Krieges: Da Amerikaner keinerlei Anzeichen dafür fanden, dass die russische Marine an verbesserten akustischen Ortungsmethoden von U-Booten arbeitete, zogen sie den Schluss, dass die Russen wohl ein fortschrittlicheres, beispielsweise thermisches oder magnetisches Ortungssystem entwickelt haben mussten. Die Nichtexistenz einer Bedrohung wurde zum Beweis einer viel schlimmeren Bedrohung, für die keine Beweise existierten. Und so mussten weit reichende Vorkehrungen getroffen werden, eben diese Bedrohung zu eliminieren.
Und so brauchen wir nun offensichtlich gesetzliche Grundlagen dafür, dass die Bundeswehr vor Fußballstadien Personalien kontrollieren und Durchsuchungen vornehmen darf. Notfalls muss sie dann auch berechtigt sein, mit einem target killing Marschflugkörper in ein Nest von Gefährdern zu schießen – die rote Flora wäre sicherlich ein begehrtes Ziel. Sicher alles notwendig um der horrenden Zahl von Terrorismustoten in Deutschland endlich Herr zu werden. Und anders als die Beschneidung des Rechts auf unbegrenzter Reisegeschwindigkeit, mit der man nur maximal 662 Menschen jährlich retten könnte, sind Online Durchsuchungen und gezielte Tötungen in eben diesem höchst wichtigen Auftrag gerechtfertigt.
Und doch bleibt es irgendwie paradox. Gesetze sollen für uns den komplexen Alltag strukturieren und damit vereinfachen. Sie sollen Kontingenz beschneiden oder zumindest verständlich machen. Dabei resultiert aus jeder Maßregelung der Komplexität, aus jedem Gesetz Unfreiheit. Gerade die Möglichkeit, ja die Notwendigkeit frei zu denken wird durch Schablonen und Verbote eingeschränkt. Paradox wird es bei Gesetzen, die uns Freiheiten garantieren sollen. Noch seltsamer allerdings in eben unserem Fall: Gefordert werden Gesetze, die Freiheiten schaffen sollen von anderen Gesetzen, die Freiheiten garantieren sollen. Auch wenn man die Legislative als dynamisches System betrachtet, muss man angesichts dieser extremen Art der Dialektik schon staunen.
Verwirrt dadurch flüchte ich mich einfach zu Kant, dem verbriefte Rechte in jedem Falle mehr bedeuteten als materielle Sicherheit. Und eben auch zu Schiller, der noch an die Idee der Freiheit glaubte und das der Wert des Menschen maßgeblich mit dieser verbunden sei. Sie sollte nicht verdächtigt oder gefürchtet werden. Für ihn war Freiheit eines der Worte des Glaubens, und gerade durch sie charakterisierte er auch den Menschen:

„Der Mensch ist frei geschaffen, ist frei,
Und würd’ er in Ketten geboren,
Laßt euch nicht irren des Pöbels Geschrei,
Nicht den Mißbrauch rasender Toren.
Vor dem Sklaven, wenn er die Kette bricht,
Vor dem freien Menschen erzittert nicht.“

(Friedrich Schiller, Die Worte des Glaubens / Wolfgang Schäuble, zit. nach tagesschau.de, 07.07.07 13:21)

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Momo

Es sind keine grauen Langweiler mehr, mit dicken Zigarren, die dir dein Leben rauben, dich ermatten lassen. Das „war einmal“. Tristesse kleidet sich in den Farben dieses Sommers. Das Mittelmaß passt sich den Mittelmäßigen an. „Wie dem Menschen alles nützlich ist, so ist er es ebenfalls“
Wir waren für ein Jahr im Ausland, wir haben Praktika gemacht, obligatorisch. Flexibel muss man sein und beliebig. Wir lernen Sprachen, aber wir feiern auch gern. Wir trinken, aber nicht zuviel. Wir nehmen Drogen, nein nur am Wochenende. Wir haben Beziehungen, aber keine zu ernsten. Wir hören Musik, aber nicht zu laut. Zigarren rauchen wir nur noch, wenn wir gesehen werden. Wie die Welt, so ist auch unser Kopf lückenlos kartographisiert. Wir glauben daran. Selbst die wenig ausgetretenen Pfade wurden asphaltiert. Man hat Raststätten gebaut, an den Rändern – Tankshops. Revolutionen starten wir nicht einmal mehr mit dem Zündschlüssel, sondern auf Knopfdruck. Welches Rating erreicht dein Leben, gut genug um noch zu investieren? Negative Utopien malen schreckliche Bilder von staatlicher Überwachung, tyrannischen Wirtschaftskonsortien. Wir vertrauen denen, die uns vor der Angst bewahren. Jemand wacht für uns. Wir mieten Peilsender, denn nur durch sie können wir Kontakt zu uns halten. Wir profilieren uns in dem was wir kaufen, jeder braucht seine Identität. Und obwohl die Kinder mittlerweile sogar durch unsere Wissenschaft dokumentiert immer fetter, dümmer und gewalttätiger werden, planen wir sie wieder. Schließlich haben wir die Erde nur von ihnen geliehen. Zumindest in Biomasse kann man sich noch selbst verwirklichen. „I am not in the condition to fuck“ Und die Familie bleibt Keimzelle der Gesellschaft.
Quatsch ist ein autopoeitisches System.

(Hegel, PhG / „Das Boot“)

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„Die Basis des Verstandes selbst also ist der Wahnsinn.“ – FWJ Schelling

Es ist diese Ereignislosigkeit vor dem Einschlafen, dieses überhitzte Nichts der Ruhe und Zurückgeworfenheit auf sich selbst, die jeden Schlaf vereitelt. Das Nichts will nicht ins Bewusstsein treten und es von der Bedrohung durch das Nichts entleeren. Du bist immer noch da, kannst nicht vor dir fliehen oder dich entfernen von deinen Gedanken. Und schlimmer noch als deine Anwesenheit ist die Abwesenheit jedes Anderen:
Du bist Allein. Niemand ist da, gelingt es dir aus dieser Welt zu treten. Niemand ist da, kehrst du zurück und findest wieder nur ein leeres Laken, ein weißes Blatt Papier, durch das du dir zu jemand anders werden sollst, der Selbsterkenntnis wegen. Der Kampf ohne Gegner beginnt von vorn, nach Worten graben unter den Gedanken – gesottenes Gekritzel ringst du dir ab. Doch die Laken bleiben rein und jeder Satz steril, kein Leben infiziert dein leeres Nichts. Ist da noch etwas? Habe ich mich noch nicht vernichtet, mein Wesen zerdacht, bin am Denken verwest? Man hat mir ähnliches gesagt, „Du bist so anders“, sagte man mir. Doch das beweist, dass ich noch mit mir identisch sein muss, dass man mich als „Ich“ ansprechen kann, wenn auch als differente, so doch als Einheit in der Zeit.
Aber Veränderung findet statt, natürlich. Es erscheint ironisch, dass die ältesten Lebensformen nur vegetative vorformen des Bewusstseins erreichen, die alt gewordenen Formen des Bewusstseins sich jedoch in hohem Grade von allem vegetativen frei machen können. So wie der Fötus die Gestalten der evolutionären Vorgänger seiner Art zum Menschen hin durchwächst, entwächst der Mensch seinen vegetativen Stadien der frühen Kindheit, der Animalischen Jugend und der humanen Adoleszenz um zu vergeistigen, schließlich gar zu entgeistigen. Er lernt sich denken, entfaltet seinen telos, der selbst unmenschlich ist.
So bleibt mir die Hoffnung, nicht mit 23 schon erschöpft, sondern noch mit 23 erschöpft gewesen zu sein.

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