Antiplags: Hauptsache strahlendes Lächeln

entnommen: http://de.guttenplag.wikia.com/wiki/GuttenPlag_Wiki

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Es ist ein zerstörendes Bild, das sich hier abzeichnet. Auf nahezu allen inhaltlichen Seiten der Doktorarbeit Guttenbergs finden sich verdächtige Stellen. Die meisten dieser verdächtigen Stellen sind schon als Plagiate erwiesen. So hat er offenkundig nicht nur innerhalb seiner Doktorarbeit falsche Tatsachen vorgetäuscht, geistigen Diebstahl begangen und bewusst gegen geltendes Recht verstoßen – Guttenberg hat auch ehrenwörtlich erklärt, dies nicht getan zu haben. Nicht allein hat er also dieses Ehrenwort gebrochen, sondern die Öffentlichkeit nach Bekanntwerden dieser Tatsachen auch gleich noch einmal dreist angelogen und darüber hinaus jeden beleidigt, der diese Anschuldigung erhob.

Es wurde allerdings zu keinem Zeitpunkt bewusst getäuscht oder bewusst die Urheberschaft nicht kenntlich gemacht. Sollte sich jemand hierdurch oder durch inkorrektes Setzen und Zitieren oder versäumtes Setzen von Fußnoten bei insgesamt 1300 Fußnoten und 475 Seiten verletzt fühlen, so tut mir das aufrichtig leid.“ (Quelle: SZ)

Hier geht es mitnichten um ein paar falsche Fußnoten oder vergessene Anführungsstriche. Und damit brechen alle Verteidigungsstrategien langsam aber sicher in sich zusammen. Erst redete man sich damit heraus, dass es doch nur ein paar Stellen seien und man deshalb nicht von einem „Plagiat“ sprechen müsse – schließlich habe die restliche Arbeit ja sogar die Bestnote erzielt und verdient. Auch Schäuble sprach von einer inhaltlich sehr guten Arbeit.

Das statistische Mittel der Wahllosigkeit

Danach wurde jedoch bekannt, dass dieses Werk von eigentlich allen Experten bestenfalls als durchschnittlich bewertet wird und dieser Durchschnitt sich wohl schon allein dadurch ergibt, dass die aufgegriffenen Positionen samt und sonders von anderen Stellen übernommen wurden. Da lehrt schon die Stochastik, dass höchstwahrscheinlich ein durchschnittliches Produkt am Ende stehen wird.

Nun sagt die Kanzlerin, sie habe Guttenberg ja nicht aufgrund seines akademischen Titels in sein Amt berufen und da leiste er ja ausgezeichnete Arbeit. Was ich von letzterem Urteil halte, können sie sich denken: Das Letzte. Der Logik des Arguments zufolge könnte sie übrigens auch einen Raubmörder als Innenminister dulden, solange er sein Amt denn gut verwaltet. Wer wird schließlich aufgrund seines Vorstrafenregisters in dieses Amt berufen? Schäuble etwa?

Er sagte stets die Wahrheit

Aber sieht man sich die Satzkonstruktion des obenstehenden Zitats an, so fällt auf, dass Guttenberg es nie geleugnet hat: Die „insgesamt 1300 Fußnoten und 475 Seiten“ sind inkorrekt gesetzt und zitiert. Folglich die ganze Arbeit. Und was sagt nun die Mehrheit der deutschen Bevölkerung? „Halb so wild.“ Bestes Beispiel ist eine jüngst ins Leben gerufene Seite, die es sich zum Ziel gemacht hat, Solidarität mit Guttenberg zu verdeutlichen.

Ich erwarte eine Versachlichung der Debatte und eine klare Mäßigung der Gegner. Dazu habe ich jetzt etwas getwittert, was man gerne „retweeten“ kann. So setzen wir ein Zeichen und machen weiter auf die ProGuttenberg-Seite aufmerksam :-) DANKE nochmal an ALLE derzeit 130.000 Unterstützer!“ (Quelle: Facebook)

Diese Seite versteht sich als Gegenprojekt zu Guttenplag, jener Seite also, welche eben die Sachlichkeit der Anschuldigungen belegen will. Es geht den Initiatoren folglich nicht um eine sachliche Debatte. Es geht darum, einen Politiker gegen jede noch so begründete Anschuldigung in Schutz zu nehmen und Zweifel an seiner Redlichkeit totzuschweigen. Ein solches Verhältnis zur Politprominenz kennt man eigentlich nur aus Italien. Sollte man meinen.

Das muss Liebe sein

Es ist schon sehr romantisch, wie ein Volk gleichzeitig die Politik als unanständig und verlogen abwerten kann, aber einen unanständigen und verlogenen Politiker mehr liebt als sonst irgendjemanden. Man hat sich so sehr in dieses Bild vom redlichen Baron hineingesteigert, dass man sich schlicht weigert, es als Fälschung wahr haben zu wollen. Und so strahlt uns Guttenberg von dieser unsäglichen Facebookseite entgegen – möchte uns sagen: „Seht her! Ich bin so anständig und redlich, dass ich lügen und betrügen kann, wie ich will.“

So viel ist (noch) übrig vom Image

Es ist ein zerstörtes Bild.

Nachtrag: Wie verhalten sich clevere Verbrecher? Sie geben immer genau das zu, was man ihnen sowieso schon nachgewiesen hat. Seit spätestens gestern steht fest, dass Guttenbergs Doktorarbeit ein dreistes Plagiat ist. So nimmt es nicht wunder, dass er endlich selbst einräumt „an der ein oder anderen Stelle […] Fehler“ in seiner Doktorarbeit begangen zu haben. Die sei ihm beim „erneuten Lesen der Dissertation über das Wochenende“ aufgefallen. Wie war das Wort nochmal? Achja – „abstrus“!Anders kann man diese mittlerweile wirklich schamlose Taktiererei nicht nennen. Aber wenn Sie glauben sollten, es ginge nicht noch scheinheiliger, raten Sie doch mal, welche Konsequenzen der Baron zieht? Nicht reu- sondern demütig (!) entschuldigt er sich bei den Geschädigten und großmütig wie er ist, möchte er seinen Doktortitel zurückgeben. Zurückgeben, bevor amtlich festgestellt wird, dass er nie einen besessen hat, da er beim Erwerb betrogen hat.

Es geht darum, den Schaden für die Universität, den Doktorvater und den Zweitkorrektor zu begrenzen. Deshalb war meine Entscheidung richtig, den Doktortitel nicht zu führen. Auch wenn das schmerzlich ist, wenn man so lange für ihn gearbeitet hat.“ (Quelle:FAZ)

Da opfert sich dieser anständige Mann für seine Mitmenschen auf und gibt den Doktortitel völlig selbstlos wieder ab – wo er doch ganze 7 Jahre gebraucht hat, ihn „in mühevollster Kleinarbeit“ zusammen zu kopieren. Das schmerzt „vorübergehend, ich betone vorübergehend“ schon beim Lesen. Doch was schmerzt noch mehr? Die Reaktion seiner Befürworter:

„Hochachtung! Zu Guttenberg spricht gerade in Kelkheim und entschuldigt sich bei den nicht genannten Quellen. Die Doktorarbeit habe Fehler, die sich über 7 Jahren angesammelt haben. Er hat klare Worte gefunden und jetzt sehe ich Ihn noch positiver. Hut ab!“ (Quelle:facebook)

Allerdings. Hut ab.

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8 Kommentare zu Antiplags: Hauptsache strahlendes Lächeln

  1. „Es ist schon sehr romantisch, wie ein Volk gleichzeitig die Politik als unanständig und verlogen abwerten kann, aber einen unanständigen und verlogenen Politiker mehr liebt als sonst irgendjemanden. “
    Auf den Punkt gebracht!
    Viele Grüße
    aus dem GuttenPlag Wiki
    Martin Klicken

    • gonzosoph sagt:

      Beste Grüße zurück und vielen Dank für die nunmehr erfolgreiche Arbeit. Auch wenn ich nun leider nicht umhin komme zuzugeben, dass es tatsächlich Spuren von funktionierendem Web 2.0 gibt ;)

  2. „Ich erwarte eine Versachlichung der Debatte und eine klare Mäßigung der Gegner“ – auch wir, auch wir:
    Uneingeschränkte Solidarität mit Dr. zu Guttenberg!

  3. Jede fünfte Zeile hat er abgeschrieben und nicht ausgewiesen. Nicht schlecht.
    Wenn wir jetzt noch die Zeilen hinzunehmen, die er als Zitate kenntlich gemacht hat, dann fragt man sich, ob er überhaupt drei Worte selbst verfasst hat (obwohl, so gemein darf man auch wieder nicht sein: Auf dem Titelblatt prangen immerhin 5 , die nachweislich von ihm selbst stammen: „Karl-Theodor Frhr. zu Guttenberg“).
    Andererseits sollte man auch nicht undankbar sein für diese umfangreiche Zitatesammlung. In diesem Sinne ein Zitat, dessen Quelle mir völlig entfallen ist:

    Der Klimaschutz ist kein Badeschlappenthema!

    • gonzosoph sagt:

      Allerdings ist es lustig, dass er aus so ziemlich jeder größeren Zeitung in Deutschland abgeschrieben hat. Da fragt man sich, wie man mit dem „was schon vorgestern in der Zeitung stand“ – bzw. vor 5 Jahren, die Bestnote erreichen kann. Das wirft nochmal ein sehr interessantes Licht auf die besagte Uni. Übrigens hat nahezu jede dieser Zeitungen solange von „Vorwürfen“ geschrieben, bis sie ihre eigenen Texte in der Arbeit wiederfand. Da lässt sich nur sagen:

      Schade, dass Guttenberg nicht aus seiner viel geliebten Bild „Zeitung“ abgeschrieben hat. Aber das wäre wohl selbst ihm zu peinlich gewesen…
      Übrigens nochmals: Wilkommen Zurück, Sie Pelztierfreundlicher Waffennarr!

  4. gonzosoph sagt:

    Ohne weitere Worte:

  5. David sagt:

    Ich finde diese Geschichte und die damit verbundene Entwicklung zunehmend beängstigend.

    Kleiner Hinweis am Rande: Bayreuth verlangt wohl nur eine ehrenwörtliche, keine eidesstattliche Erklärung. Eidbrüchig ist er also nicht geworden, der ehrlose Lump.

    • gonzosoph sagt:

      Ja, da haben Sie leider Recht und ich nicht. Das musste ich mittlerweile ebenfalls zur Kenntnis nehmen und habe es nun korrigiert. Anders als etwa die Uni Münster hier verlangt Bayreuth nur eine ehrenwörtliche Erklärung. Schon interessant wie auch die Tatsache, dass es laut gestriger Pressekonferenz noch niemals auch nur den Verdachtsfall eines Plagiats an besagter Uni gegeben hat und man dies nun auch als absoluten Einzelfall ansehen möchte. Verschärfte Sicherheitsvorkehrungen gegen Plagiate will man ebenfalls nicht einführen. Die braucht es ja auch offensichtlich nicht…

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