Von und zu „Sargnagel“

Was für ein schönes Wochenende: Sich handwerklich betätigen und dabei anderen Menschen helfen, endlich mal wieder etwas Säure auf die Batterie gekippt und schlussendlich noch einen entspannten Sonntagmorgen mit Pressespiegel und Wochenrückblick durchlebt. Ich hatte schon ganz vergessen, dass im Fernsehen auch gute Dinge angeboten werden. Dabei fiel nicht nur auf, dass mittlerweile Nordafrika auf Presselandkarten komplett in Flammen steht. Auch die Causa Guttenberg konnte man noch einmal im Zeitraffer Revue passieren lassen.

Das Thema ist mir ja mittlerweile selbst leidig und mein Blog verkommt langsam aber sicher zu einem Guttenberg-Watchblog. Ich bin allerdings auch nach einigen Gesprächen am Wochenende zu dem Thema nun immer zuversichtlicher, dass die Affäre jetzt ihren guten Gang nimmt. Wenn die CDU schon Herrn Mappus bemüht um Guttenberg zur Seite zu springen, hat man ihn intern vielleicht längst aufgegeben.

Es war auch sehr vielsagend, noch einmal das Gesicht von Norbert Lammert während der aktuellen Stunde und dieser Verteidigungsfarce um Guttenberg gezeigt zu bekommen. Man kann schon Mitleid mit ihm haben, da er momentan unumstößliche Beweise für das andauernde Fehlverhalten und die Verschleierungstaktik des Verteidigungsministers recherchieren muss, während um ihn herum die linientreuen Kollegen einem offenkundigen Betrüger (noch) Beifall klatschen (müssen). Er hat sich schließlich eindeutig dazu geäußert.

Nach dem akuten Schock um derlei dreiste Machenschaften des Barons kommen selbst seine Parteifreunde langsam zur Besinnung und erkennen an, welchem Trugbild sie aufgesessen sind. War man letzte Woche in jedem Statement nicht müde zu betonen, welch herausragender Verteidigungsminister Guttenberg doch sei, traut man sich jetzt auch endlich daran, seine fachliche Arbeit in seinem Ressort zu bewerten. Und diese Bewertung fällt offenkundig auch seitens des Kanzleramtes alles andere als rosig aus. Die ehemals mutige Reform entpuppt sich als „rudimentär und unausgewogen“. Katerstimmung.

Die Kanzlerin hat offenkundig keinen wissenschaftlichen Mitarbeiter oder ausgezeichneten Verteidigungsminister eingestellt, sondern bloß einen populären Politiker. Man könnte auch sagen: Einen guten Blender. Auf den lässt sich angesichts der anstehenden Landtagswahlen und der schon jetzt prekären Mehrheitsverhältnisse im Bundesrat nur schwerlich verzichten. Könnte man jedenfalls meinen.  Und so begibt sich die CDU in ein äußerst zweifelhaftes Abhängigkeitsverhältnis, dessen Sinn umso fragwürdiger erscheinen wird, wenn Norbert Lammert dem damaligen MdB Guttenberg erst Amtsmissbrauch und die Universität Bayreuth ihm vorsätzliche Täuschungsversuche bescheinigen werden. Beides ist schon jetzt abzusehen.

Man kann nun Ausschau halten nach dem Punkt, wo sich die Welle bricht und unweigerlich zurückrollen wird. Dann wird aus dem Menschen mit von ihm selbst als schmerzlich empfundenen Fehlern, die einzugestehen eine Stärke darstellt, plötzlich der arrogante Baron, der seine dreisten Verfehlungen durch Schmierentheater zu verschleiern sucht – sofern er keinen Sündenbock ausweisen kann.

Etwas Gutes hat es dann ja, zumindest für den Leumund seiner vormaligen Sündenböcke. Und es wird ein Lehrstück bleiben für unsere politische Kultur. Nämlich dass Glaubwürdigkeit zwar nicht mehr zu den Eigenschaften gehört, die man gemeinhin einem Politiker zuschreibt. Beliebtheit aber eine Droge bleibt, die selbst in großen Dosen nicht den Markenkern einer Partei ersetzen kann. Und dieser war bei der CDU/CSU einmal so etwas wie bürgerliche Redlichkeit. Vor „Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg“.

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