XXXIII

Ich weiß nicht, ist es der Mangel an Schlaf oder das Zuviel an Tagen, die Ränder unter den Augen oder das Brennen im Hals. Der Geschmack von Zusammenbruch hinterm Gaumen, das Stechen in der Brust oder der süßliche Schweiß. Satte Müdigkeit, die in allen Muskeln hängt und zwischen allen Knochen brennt. Ausspucken, abhusten, ausschwitzen, abführen. Es ist wie eine Kur, die alles Gute aus dir heraustreibt und du spürst jeden einzelnen Tropfen. Schwer atmen, die Stirn abwischen, die Schläfen reiben, bringt gefühlte Linderung. Der Ekel und die Müdigkeit sind das, was dir noch bleibt, wofür man wacht, isst, spuckt. Diese fiebrige Leichtigkeit bleibt der einzige Trost, dieser Schwindel zwischen den Laken, wenn die Übelkeit nachlässt und das Blut kühlt, dieser Anflug von Ohnmacht, dass man sich am Bettpfosten festhalten muss. Dann kommt die Erinnerung wieder an einen Abend, an den Suff und die Erbärmlichkeit, wie man alles in sich reingeschüttet hat, wie man alles aus sich herausgeschüttet hat. Wie man daherredete, sich aufplusterte, und bleischwer hinter die Kneipe kotzte; sich den Mund abwischte, in die nächste Spelunke ging und lautstark bestellte. Man kann sehr viel trinken, aber nicht so viel, wie… du kennst das ja, wenn dich der Ekel packt. Oder vielmehr die Erkenntnis. Wieder dieses angewidert Sein. Wider dieses Angewidertsein. Der Aber Glauben und Unwille, die Abscheu. Es lässt sich ja doch für diesen Ekel besser leben als gegen die Leere, gegen das verkleidete Nichts, das behauptete Dasein von etwas, das nicht ekelig wäre. Es lässt sich auf diesen Ekel viel besser trinken, alles auf ihn schütten, in die Leere, wo es dumpf in dich hineingluckert. Hinter den Gaumen, bis es brennt, lebt, blutet. Bis das Leben in bleischweren Strahlen aus dir hervorstürzt und sich in das Nichts um dich herum ergießt. Sehr viel trinken muss man deshalb, viel essen, viel ausscheiden und dumpf schlafen. Und man muss sich selbst fast so sehr hassen wie den Rest. Aber eben nur fast. Das hält die Gedanken in der Waage und treibt einen aus dem Bett: Es gibt noch so viel auszukotzen.

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