Schweiß

Ich habe die Nacht mit einer netten ‚Middle-Agerin‘ verbracht und mit einem guten Dutzend schwitzender Kerle in den „besten“ Jahren. Jetzt aber ist Feierabend, es ist Jamaikas Unabhängigkeitstag, es ist Evelyn Hamanns Geburtstag und darüber hinaus vor allem eins: Montag. Wie will das alles zusammenpassen? Ich stieg eben in meinen Wagen, fuhr in den Sonnenaufgang und aus dem Radio klang wie selbstverständlich der „Cocaine Blues“. Treffend, sehr, und die gesuchte Symbiose. Ich mag diese Arbeit, man muss nicht viel sprechen oder geistig dabei sein. Man kann die Gedanken schweifen lassen, bis die Füße vom durchgehenden Stehen schmerzen. Aber auch der Schmerz passt in diese Fabrik, in der so seltsame Gestalten arbeiten. Entgegen der langläufigen Meinungen arbeiten derer auffälligsten Vertreter nicht in der Nachtschicht. Auch ist diese gänzlich frei von Starkstromalkoholikern und bis auf einige Ausnahmen ist dort niemand medikamentös ‚eingestellt‘. Trotzdem, Viele wirken wie Figuren aus altbekannten, lieb gewonnenen Filmen – bis man sie reden hört. Es gibt tatsächlich Menschen, die so sprechen, wie sie die Bild Zeitung lesen. Dennoch, ich habe sehr viel Respekt vor diesen Leuten: „Sie nennen sich selbst Dreckfresser. Dreckfresser können es ertragen, können alles ertragen. Sie sind der Bodensatz und sie wissen es. Trotzdem sind sie das Rückgrat und das Mark unserer Gesellschaft. Es sind die Besten, Oma, die ich je gesehen habe“ Bei dem Dreck, den man uns allen auftischt, ist es verwunderlich, wie erträglich die meisten Menschen im oberflächlichen Umgang doch sind.

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