so früh am Tag

Heute schlafen Schlangen in all meinen Gedanken und jeder Satz birgt Gift. Das kann ich nicht nach Draußen lassen. Vielleicht auf andere Gedanken kommen – Benn lesen. Das schadet nie. Ja, das kann ich heut empfehlen



“Pressen Sie, Frau! Verstehn Sie, ja?
Sie sind nicht zum Vergnügen da,
Ziehn Sie die Sache nicht in die Länge.
Kommt auch Kot bei dem Gedränge!
Sie sind nicht da, um auszuruhn.
Es kommt nich selbst. Sie müssen was tun!
Schließlich kommt es: bläulich und klein.
Urin und Stuhlgang salben es ein.

Aus elf Betten mit Tränen und Blut
grüsst es ein Wimmern als Salut.
Nur aus zwei Augen bricht ein Chor
von Jubilaten zum Himmel empor.

Durch dieses kleine fleischerne Stück
wird alles gehen: Jammer und Glück.
Und stirbt es dereinst in Röcheln und Qual.
Liegen zwölf andere in diesem Saal.

(weitere, aber leider nicht sehr viele Gedichte)

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22.

Der Tag war indifferent. Ich habe mich lang gefragt ob es mir heute gut ging oder schlecht. Ich habe gelächelt, mehrfach, das weiß ich noch. Einige Male war es nicht aufgesetzt. Aber ich kann jetzt in jeder Stimmung lächeln. Man lernt die Zeit einfach durchzubringen, so wie seine Schichten. Stunde um Stunde hangelt man sich vor, wartet auf die Nächste Pause. Sieht man zu oft auf die Uhr, kriecht die Zeit; wird man egal, fliegt sie. Solange man an jemanden denken kann, ist alles gut. Heute habe ich mich irgendwie allein gefühlt, musste mit banalen Gedanken vorlieb nehmen. Nur 2 Tage nichts von ihr gehört und ich sehe mich schon wieder verlassen. In der Hinsicht bin ich geschädigt. Aber hier kann ich mich auch einfach nicht ablenken: 8h täglich stehe ich vor der Maschine- mit mir allein. Ich kann mich nicht wirklich betrinken, kann nicht fernsehen oder dergleichen, kenne hier niemanden. Der Schlaf ist kein echter, wenn man um 7:30 ins bett geht. Ich habe mich da wohl auch in etwas verrannt. Sie fühlt sich bedrängt, ich denke zu Recht. Dabei wollte ich das gar nicht. Es ist ja auch nicht so, als sei sie allein. Ich habe wieder mal Verzweiflung mit Sehnsucht verwechselt, womöglich ist es auch etwas von beidem. Vielleicht sind wir nicht gut für einander und jeweils zu verlegen das offen auszusprechen. Es fällt auch schwer, wenn einem jemand so sympathisch ist, man sich versteht. Ich weiß es nicht, aber ich kann es nicht akzeptieren wollen; mache mir lieber weiter etwas vor. Das ist meine Überlebensstrategie geworden. Die Realität würde ich nicht aushalten. Mein Blog ist jedenfalls zu einem Tagebuch verkommen, das sollte er nie sein. Es regt nicht gerade die Clicks an, den Tagesablauf eines tranigen Tunichtgutes zu beschreiben. Verständlich, wie ich finde. Sonst dringt jedoch nichts zu mir vor. Auch ich bin indifferent geworden.

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Wegwerfartikel


Schwefelkopf
auf bleichem Holz, es zischt,
Es knackt und bäumt sich auf in grellem Licht,
Es sengt sich, frisst sich rauf und endet nicht,
bis von des Funken Feuerschein
nur bleibt ein Klumpen Asche, rein
und auch die letzte Glut erlischt

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Hypogonadismus

Ich weiß das ich nicht passe. Zum Glück wissen es mittlerweile auch meine Mitmenschen. Ein wenig hat es schon gedauert, es zu realisieren, den Glauben zu verlieren, bei mir würde es nur etwas länger dauern, dass es schon noch werden würde — ich sei halt etwas wählerischer. Diese Illusionen machen wir uns nun nicht mehr. Sie haben gelernt keine Fragen mehr zu stellen. Ich habe gelernt mir ein Bier zu bestellen, wenn die andern Ficken gehen. Meist sind sie ja nicht lang weg. Wenn sie wieder kommen, grinst man hinter seiner Zigarette; so, als würde man schon verstehen. Es gab eine Zeit, in der ich viel Bier getrunken habe. Das nimmt mit dem Alter ab. Auch mit dem Rauchen hörte ich auf. Ich habe ja nichts gegen dieses offene Leben, nicht im Geringsten. Es gibt kaum Beängstigenderes als „True love waits“-Anhänger. Mit denen lässt sich gar noch weniger reden als mit Straight-Edge Idioten. Ich wünsche mir mehr Zügellosigkeit. Ich begrüße Schamlosigkeit, sie macht die Menschen ehrlicher. Ehrlicher als mich. Leider ist der Umgang mit vielen Menschen frustrierend, wenn sie ehrlich sind.
Mein Interesse Frauen gegenüber war immer schon zu wenig ordinär, als dass es erwidert worden wäre. Das erstaunt, verdutzt, lässt Abstand nehmen. Meine scheinbar fehlende Libido hat jeden eher verwundert als meine Zukunftslosigkeit, mein Trotz. Da halfen auch keine langen Briefe, keine Gedichte, keine Aussprachen weiter. Sie blieben schließlich ohne die erforderliche Initiative. Ich war stets der Meinung, mit koitalem Vokabular ließe sich nur schwerlich gute Poesie betreiben. Und selbst wenn – meiner Erfahrung nach neigen Frauen dazu sich mit dem einzulassen, der auf sie zugeht, der im Bedarfsfalle anwesend ist. Der Mann ist von Natur aus penetrant, sollte es sein. Schreiben kann nicht direkt genug sein. Ich blieb immer in der Ferne, bis ich schließlich ganz verschwand. Und hier bin ich nun. Abstinent.

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Geschützt: 3 mal werde ich noch wach…

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