„Bello, sag mal…“

Ich schreibe nur noch, Tag und Nacht. Das Kratzen meiner Stifte klingt nach einem Hund, der gierig den längst leeren Napf mit der Zunge vor sich her treibt. Unter diesem Kratzen bin ich stumm geworden. Es ist ja nicht so als würde jemand mit mir reden. Ich halte Monologe. Und wie man einem Hund gut zuredet, ihm an die Seite klopft, wenn er etwas Possierliches treibt, so ernte auch ich ab und an ein Schulterklopfen; ein paar nette Worte. „Hast du fein gemacht“.
An meiner Lage – an mir – hat sich nichts verändert. Schreiben stellt keinen Sinn dar, füllt das unschuldige Blatt nur mit Schwärze, dunkler Galle auf. Wahr genommen hat mich niemand.
Ich mache eine Pause, lehne mich an die Wand; dort wo die Heizungsrohre entlanglaufen, wo sie nicht so schnell auskühlt, in der Nacht. Mein Blick fällt auf den Spiegel und ich gefalle mir wieder mal so gar nicht, wenn ich versuche mich mit deinen Augen zu betrachten. Ich denke das gelingt mir gut. Schon wieder bist du in meinem Kopf, obwohl ich weiß, dass du dort gar nicht sein willst, kein Bedürfnis hast für dies Geschwafel. Ich habe es ja auch nicht, erscheine mir schon selbst wie eine ewige Jammergestalt. Mir fehlt der Elan, die Energie um zu wirken. „Man muss sich selber loben“. Egozentrisch genug bin ich, nur leider ein Lästermaul. Dabei würde ich einfach gerne mal wieder richtig tief lächeln, selbstvergessen, wenn es sein muss.

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zwei Verwesen

Jeden Morgen schlage ich mir Wasser ins Gesicht, wasche etwas Farbe aus. Jeden Abend lege ich meine Kleidung zurück, schüttle etwas Hoffnung ab. Jede Nacht winde ich mich in mein Bett, ergraue etwas. Wenn du gehst, schaue ich dir jedes Mal nach, etwas verstummt. Ich bin jedes mal etwas älter geworden, wenn wir uns sehen. Sterben ist nicht äußerlich. Der Tod findet in uns statt, ganz zaghaft, jeden Tag. Wir beide sterben aneinander vorbei.

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Zweifel an der Tauglichkeit intersubjektiver Kommunikation


ich will hier nicht mehr lebend sein
warum? das frag nicht mich
frag die, die hier noch lebend sind,
die immer noch nicht stumm geworden

ich hab es satt, dieses Gerede
von hier und jetzt, von da und dann
Zerschlagt den Schädel euch mit Zweifeln
Zerschneidet euch den Mund mit Rat

Die Stille will ich,
Ihr allein
Tracht ich mit meinem Leben nach

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Atrytone

Du fragst mich etwas, beiläufig und siehst mich dabei an. Noch nie habe ich solche Augen gesehen, so hell, so wach, so unberechenbar. Blau und kupfern, Athenes Schild und wie von Perseus überlistet, erstarre ich; gefriere ich, vor diesem Spiegel. Wer kann dahinter blicken? Wer würde an Monaden zweifeln, nur an Neuronen glauben wollen, im Blick auf dieses Universum. So reich. Ich weiß nicht was mich dort erwartet, doch ängstlich bin ich nicht. Nur leicht verlegen, denn was du mich vorhin gefragt, hab ich total vergessen.

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Maximenwechel

Ich war schon immer ein Freund von Tragikkomödien. Doch in letzter Zeit mag ich mir keine Filme mehr ansehen. In jedem Film geht es um Beziehungen, um Assoziationen, die ich vermeiden muss. Mein Leben gleicht momentan eher einem postmodernen Experimentalfilm ohne erkennbare Elemente. Ich hätte gerne etwas mehr Ska in meinem Leben und würde lieber etwas weniger Bushido um mich herum sehen. Vielleicht muss man da Schillers Maxime folgen, dass man nicht schöne Dinge fordern darf, sondern nur fordern soll, dass die Dinge um einen möglichst schön sein sollten. Wer die Existenz schöner Dinge fordert, ist seiner Meinung nach zwar eine schöne Seele, aber zum Scheitern verurteilt. Ich kann mir momentan dazu kein anderes Mittel denken als Reduktion. In der Einfachheit liegt oft Schönheit, in der Begrenzung der Bedürfnisse Glück. Man muss den Sucher wieder auf andere Dinge lenken als auf unerreichbare, unmögliche Wunschträume. Muss seine Realität den Möglichkeiten anpassen. Das, was ich eigentlich nicht mehr tun wollte, was mir höchst zuwider war. Aber ich bin zu nichts anderem fähig, das habe ich nun mehrfach erfahren müssen. Schuster, bleib bei deinen Leisten. Mein Part liegt darin die Dinge zu betrachten, zu überdenken, nicht sie zu tun. Für Gefühle, für Ideale zu schwärmen, nicht sie zu leben. Daran ginge ich zugrunde. Ich bin ein Zuschauer, kein Akteur. Bin die Leinwand, nicht das Licht. Es bleibt mir nur, der Chronist von Schönheit zu sein, die ich niemals teilen werde.



„Siehe! Da weinen die Götter, es weinen die Göttinnen alle,
Daß das Schöne vergeht, daß das Vollkommene stirbt.
Auch ein Klaglied zu sein im Mund der Geliebten ist herrlich;
Denn das Gemeine geht klanglos zum Orkus hinab.“

Friedrich Schiller, Nänie

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