Jul
17
2010
Zorn, der keinen Adressaten trifft. Drogen ohne Bewusstsein. Verschwendete Mühen. Leerraum, Abraum zu füllen mit Gefühlen, gäbe es welche. Da wo Menschen aufeinanderprallen, in den Korridoren purer Verzweiflung. Und jemand findet doch sein Glück, so nennt er es. Doch dieser jemand bist nicht du.
Ich habe mir einen Aufguss bereitet, koche fetzenweise Vergangenheit auf und rühre lustlos in dem Sud herum. Mein Leben hatte nie Struktur. Also denke ich nach, schließe die Augen. Doch da sind nur die trüben Partikel schemenhafter Staubgebilde auf meinen Pupillen. Kein Gedanke, der mich heilen könnte.
Ich habe einen schönen Traum geträumt, in dem ich verstand, sie mich verstand. Ich wachte wortlos auf und habe nun nichts mehr zu sagen. Schlafen darf ich nicht mehr, will ich nicht zum Träumer werden. Nicht, dass ich schlafen könnte.
Schlägt immernoch in meiner Brust etwas. Gleich Geschwülsten frisst sich Leben durch mein Dasein, blutet Willen in den Tag. Ein kurzer Funken und dann ist da nur noch warme Luft, lange Atempause und der Schweiß, der kommt wenn mein Gedanke dich berührt.
Niemand anbei. Ein Mensch der dich zerstört, so nenn ihn Freund. Es gibt sonst keinen Menschen mehr.
1 comment | tags: Egologie, Frauen, Leben, Schlaf, Schreibblockade, Tage, Traum, Zeit | posted in Autolyse, Nachtschicht, Schreibblockade
Feb
10
2010
Tiri Tira, die Weiber sind zum Vögeln da,
die Welt heißt das zu nutzen.
Tiri Tiraun, bloß Denken schlafft den Hosensaum,
verflüssigt jäh den Stutzen.
Die Felder tauen, es spannt der Hahn
sich wacker vor die Kammer.
 dieu, ihr Frauen, mir grient der Wahn.
Ich schieß mir in den Kopf.
Mit einem Minié!
Geladen wird’s von vorn,
Mit Pulver und mit Horn,
solch Ende tut nicht weh.
Da geht ein armer Tropf.
Trara, Palim, dass ich am End zufrieden bin,
so bar von jeder Scham,
das überrascht.
F: Doch horcht! Wer spricht so leise durch die Kammertür?
Wer flüstert nur durchs Schlüsselloch und wagt sich nicht herfür?
F: Ein Dämon, der den Zweifel wagt, von Anstand und von Sitte,
ein Geist, den jähe Reue plagt, das Wissen um die Mitte,
die, sagt man, gutes Leben prägt, und Rettung sei der Seele;
nur all zu schwer erreichen kann, dass man sie nicht verfehle.
F: Ein Wahn ist es, der Reden glaubt, von Ordnung und von Sinn,
von einem Grund des Lebens spricht, so tief und so weit hin,
dass er als steter Horizont am Ende dieser Welt,
und jener mächtgen Sonne gleich, das Innerste erhellt.
Ich kenne dieses Hoffen auch, ich weiß um jenes Licht,
einst blendete es mich selbst, drum misse ich es nicht.
F: Und wenn du noch geblendet bist und dich dein Sinn belügt?
Wenn dich die andre Hoffnung nun statt dem von Neuem trügt?
F: Ein Hoffen ist’s, ich leugne nicht, denn Hoffnung trägt die Welt,
doch weder Glaub noch Sinn ist es, was diese Hoffnung hält.
Ein Ende bloß, kein Zugewinn, ist mir nunmehr zum Ziel,
verlangt man Nichts und Niemanden, so will man kaum zu viel.
1 comment | tags: Frauen, Frühling, Leben, Reim dich oder ich fress dich, Tod, unwertes Leben | posted in Autolyse, Postpeotik, in aller Kuerze
Aug
13
2009
Auf Holz klopfen, sich die Wimpern ausrupfen, Glück mitnehmen, wo es geht. Ich kann es gebrauchen, sind doch Entscheidungen zu treffen. Nicht, dass ich die Wahl hätte. Aber man kann sich immer noch dagegen entscheiden, wogegen auch immer. Die letzte Freiheit bleibt.
Ich habe einen festen Glauben. Einen festen Glauben daran, dass nichts mehr kommt. Ich lese nicht, schreibe nichts neues und Fragen stelle ich keine mehr. Ich schaue auch den Frauen nicht mehr nach, schmecke keinen Unterschied zwischen Tafel- oder Landwein. Mir trocknet jede Tinte ein, der Tropfgedanke zieht bar jeder Spur daher.
Das Fernsehen flimmert, noch klingelt grell das Telefon. Verwählt vielleicht, wen interessiert das schon. Ich sollte was mit Tönen machen - Klangcollagen eines Nihilismus. Doch wie klingt das Nichts und wer zur Hölle hört sich sowas an.
Einmal zeichnete meine Feder Spuren auf die bloße Haut, strich behutsam Verse um die Fesseln deiner Füße. Es gab doch Poesie an deinem Leib. Die rote Tinte rieb ich zwischen meinen Fingern auf das weiße Pergament. Dein Fleisch log mich nicht an. So ist es mal gewesen.
Heut kauf ich mir die Höchsten der Gefühle stets im Schlussverkauf. „Leberwurst stillt Herzeleid“, so sprach die Fachverkäuferin. Und ich schenk ihr Gehör. Nun streicheln meine Hände Fleischsalat auf Graubrot; mit sanftem Auge dem Bedürfnis der Materie angemessen. Ich lege nach
und nach den Menschen in mir ab. Wo soll er denn auch leben? Hier, bei dir?
Bei mir? Mitnichten.
no comments | tags: Frauen, Gewohnheit, Schreiben, unwertes Leben | posted in Experimentelle Metaphorik, Marginalien, Postpeotik
Aug
4
2009
Er bereist das Land schon wieder quer, von ihr zu ihr. Er weiß schon wieder nicht, was er wo soll, wohin, woher. Da steht er hart im Wind. Da sitzt er weich, allein. Und längst schon reicht die Fahrt, das Neue reicht nicht aus. Das Meer.
Da liegt nichts an. Da ist kein Wunsch, ein Wollen nicht. Wenn er denn träumt, dann träumt nicht er. Und hinterher bleibt es doch stets zuvor. Die Tage liegen unvermengt, die Nächte ziehen leer daher. Er will schon lang nicht mehr.
Eine Stimme hört er noch, als wenn es seine wär. Nur wenn sie spricht, fällt ihm das Atmen nicht so schwer.
2 comments | tags: Frauen, Gewohnheit, Leben, Tage, Tod | posted in Postpeotik, in aller Kuerze
Jul
29
2009
Lecken wollen Groß und Klein.
Jedem fällt was Leckres ein.
Doch man braucht schon ein Objekt,
denn sonst würde nichts geleckt.
So zum Beispiel Eis am Stiele,
eine Kugel oder viele.
Lecken können sich zwei Frauen,
doch man sollte nicht drauf bauen,
dass es was zu sagen hätte –
ist ja fast schon Etikette.
Mancher leckt gern LSD,
`n Andrer schlürft Melissentee –
das jedoch: Nicht mein Metier.
Was ich letztlich sagen will,
kurzer Satz mit wenig Stil,
und er fordert– quel dommage:
Lecken sie mich doch am Arsch!
no comments | tags: Frauen, Reim dich oder ich fress dich, Schreibblockade, Unterhaltung | posted in aktuelles
Jul
22
2009
Was ist eigentlich eine Beziehung? Was ist das Wesen einer Beziehung? Ist es Kooperation? Das nicht mehr ohne einander Auskommen? Augenscheinlich könnte es das sein, wo doch beim Zusammenbruch vieler Beziehungen offen zutage tritt, dass zumindest ein Beteiligter nicht mehr ohne den anderen auskommt. Aber ohne was kommt er nicht mehr aus und was ist daran eigentlich so schmerzhaft? Wohl nicht das Fehlen einer Person. Oft ist jene doch sogar noch da, wenn auch nicht für einen. Nicht die Person ist es, deren Verlust so schmerzhaft ist, sondern was sie für einen bedeutet hat. Was man ihr zuerkannt hat und wovon man glaubte, dass sie einem das gleiche zuerkennt. Dem ist plötzlich nicht mehr so. Wie unfair.
Eine Beziehung, egal welcher Natur, besteht wesentlich in gegenseitiger Anerkennung. Diese fremde Wertschätzung der eigenen Person benötigt jeder. Je intensiver die Beziehung, d.h. je größer der Wert, den man der Anerkennung einer Person beimisst, umso wirkmächtiger wird der Einfluss dieser Anerkennung auf das eigene Wohlbefinden. Wähnt man sich ihrer sicher, was für eine Euphorie und Selbstsicherheit gibt sie einem. Zweifelt man, kann einen dann überhaupt noch etwas sicher machen, jemals Selbstwert besessen zu haben? Anerkennung ist Segen, ist Fluch zugleich – eben Wesen dessen, was man Beziehung nennt. In der Übersetzung des alten Testaments ist sie Synonym für den Schlussstein von dem, was man heute unter Beziehung versteht: „Und er erkannte sie an“, danach folgt bereits die Auflistung der Nachkommenschaft.
Beziehung also ist gegenseitige Anerkennung. Das ist fair. Und besser noch. Von Liebe jedoch soll hier noch nicht die Rede sein. Liebe heißt, sich vor dem Pinkeln die Hände zu waschen – modern gesprochen.
no comments | tags: brauchbare Gesinnung, Frauen, Glück, Mitmenschen | posted in Gonzosophische Lebenshilfe, Zur Sache selbst
Jul
14
2009
Da sitzt jemand auf dem feuchten Rasen des Grünstreifens und deutet auf den Punkt, an dem man aufgehört zu glauben. An dem man jede Hoffnung hat verloren, irgendwann noch mal etwas Bedeutendes im Leben zu erschaffen. Den Endpunkt von Bedeutung überhaupt zeigt er dir an.
Was bleibt sind Menschen, denen du Bedeutung schenktest und auf Gegenseitigkeiten hoffst. Punktuell. Nicht, dass man drüber sprechen müsste, es sich sagen, wie man‘s nennt. Man macht es einfach, wie man Eierkuchen macht.
Man kann dabei auch fernsehen und lernt in jedem Fall dazu. Zum Beispiel: Verbal sind „Liebe“ oder „Fotze“ Tabus von gleichem Rang. Will man nicht anecken, spart man sie besser aus. Ich erhielt vor kurzem eine Einladung zu einem Hochzeitsfest, die gänzlich ohne solch Begriffsgewichte ausgekommen ist. Das nennt man wohl sozialen Realismus.
Jedoch komm ich für meinen Teil da nicht umhin. Ich „liebe“ sie bestimmt, die blöde „Frau“.
no comments | tags: Egologie, Frauen, Tage | posted in Gonzosophische Lebenshilfe, Marginalien, Postpeotik
Jun
15
2009
Man taugt nicht viel dazu, sich gegenseitig Halt zu geben, wo man sich nicht einmal mehr selbst zu stützen weiß. So taumelt man vorbei aneinander. Stößt aufeinander, zufällig, am Kiosk oder vor dem Klo. Gibt sich nen kleinen Schups, wohin man glaubt zu müssen. Es geht voran, ab und an in Schlingerlinien einem wirren Zielpunkt zu. Manchmal auf allen Vieren. Ich ziehe dabei Schlieren auf Papier in tiefem Tintenschwarz. Meinen Mitmenschen als Rorschachtest. Doch bei mir gibt es auch falsche Antworten. Aber keine Angst, nicht mehr lang und ich zieh eh aus mir heraus. Das Haus ist längst gerüstet, wird bis aufs Mark entkernt. Man glaubt ja stets den Preis zu steigern, wenn man die Innenwerte erst entfernt. Derweil kratz ich mit Bleistift Linien in den Gasbeton, der unsrer Zukunft weichen soll. Ein bisschen kindisch muss man nun mal sein. Sonst lebt sich’s schwer, so ganz allein.
no comments | tags: Egologie, Frauen, Innenwerte, Schreiben | posted in Marginalien, Postpeotik, aktuelles
Jun
14
2009
Ein Mund, dass sind zwei Lappen Fleisch, die passdicht aufeinander liegen. Hier ist er wohl recht gut gelungen, wenn auch die Symmetrie von Bohrungen durchbrochen wird. Üblicherweise sind Augen prall gefüllte Bälle aus Schleimhäuten und Muskeln. Braun eingefärbt, so zeigt sich dieses Paar und wohlgeformt. Markant, die Nase mitten im Gesicht und von beeindruckender Gestalt, passt sie sich dem an, der sie trägt. Es stimmt, ein Antlitz sieht man niemals an – man schaut hinein. Und man verliert sich schon einmal dabei. Im besten Fall sieht es dir dabei zu.
1 comment | tags: Frauen, Schönheit | posted in Autopoiesis, Postpeotik, Schreibblockade, aktuelles
Mai
13
2009
„Und sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund“. Die gleichen Fehler wiederholen, die gleichen Sätze sagen, denken. Leben nennt man das, gemeinhin. „Nein“ war mein Wort noch nie. Ich mache alles nochmal durch. Gebe mich her. Bin da, wo man mich braucht, solange man mich braucht. Ich stelle keine Fragen. Kerbe dich in meinen Verstand. Woran ich denke, ganz egal. Schon da. Und haust du ab, bleibt nicht einmal ein Bild von dir zurück. Dann lodern Zettelfeuer, Rauchopfer der Gefühle. Die Nächte sind schon wieder lang, die Flaschen sammeln sich im Flur. Ich habe das alles klar durchdacht. Ich weiß es doch. Aber was sonst tun, als darüber schreiben, vielleicht endlich klare Worte finden können. Sie nach draußen stellen, wo sie jeder sieht. Ich brauche Zeit. Ich habe nichts als Zeit. Zeit tötet, so oder so. Ein Text ohne jeden literarischen Wert, ohne belletristischen Charme. Geschrieben aus Verlegenheit, die Gewohnheit ist – oder anders herum. Als Schreibtherapie verkauft man so etwas. Die Kunst dabei ist, sich selbst einmal zu denken, als könnte jemand anders es verstehen. Danach glaubt man sich selbst zu verstehen. Aber auch wenn ich meine Wünsche nicht kontrollieren kann, so doch meine Handlungen: Austrinken, abhauen.
2 comments | tags: Egologie, Frauen, Leben, Schreiben, Tage | posted in Autopoiesis, Schreibblockade, aktuelles