Kampf der Geschlechter: Die Unmöglichkeit des Dialogs

Zum Angehörigen eines Geschlechtes wird man nicht geboren, man wird es. Dieser Satz ist richtig, da es kein rein biologisches oder sonst wie unumstößliches Geschlecht gibt. Dieser Satz ist aber auch falsch, da wir zum Angehörigen eines Geschlechtes nicht erst werden, sondern immer schon geworden sind. Sobald wir uns Gedanken über dieses Thema machen können, gehören wir längst schon einem der Geschlechter an. Sobald wir dies zu reflektieren im Stande sind, kommen wir hinter diese gesellschaftlich wie biographisch geschaffenen Voraussetzungen schon nicht mehr zurück. Das heißt keinesfalls, dass dieses Geschlecht dann feststeht. Fest steht aber, dass wir ein Geschlecht – welches auch immer – haben. Geschlechter sind keine unumstößlichen Wahrheiten, aber die Geschlechtlichkeit ist es. Zumindest zu unseren Lebzeiten und zu den Lebzeiten unserer Kindeskinder. Diese Erkenntnis mag trivial erscheinen, hat aber spürbare Folgen.

Von unbestreitbaren Ungerechtigkeiten…

Es bestehen Unterschiede und Ungerechtigkeiten zwischen den Geschlechtern. Kaum jemand wird dies leugnen. Dass wir deshalb, wo wir schon nicht für eine völlige Nivellierung sorgen können, zumindest für einen Ausgleich sorgen sollten, um Benachteiligungen abzubauen, liegt auf der Hand. Die Schwierigkeit besteht hier freilich darin, dass wir kaum für einen wirklich gerechten Ausgleich werden sorgen können.  Die Voraussetzungen dafür stehen denkbar schlecht, denn wie gesagt, gibt es hier keine neutralen Instanzen oder unbeteiligte Autoritäten. Niemand von uns kann in der Frage der Geschlechtergerechtigkeit sachlich sein, denn wir alle sind geschlechtlich. Dementsprechend unbeholfen und ungerecht sind wir auch. Wir können gar nicht anders.

Am Anfang unseres Rechtssystems stand die Auffassung, dass nach Möglichkeit nicht die Angehörigen oder Beteiligten über einen Interessenausgleich entscheiden sollten, sondern eine unabhängige Instanz. In diesem Fall gibt es jedoch  keine Unbeteiligten; im Gegenteil, wir alle sind wesentlich beteiligt. Es lässt sich dabei nicht im luftleeren Raum entscheiden. Man hat mit Tatsachen fertig zu werden, die immer schon ungerecht sind und deren Beseitigung in den meisten Fällen zu neuen Ungerechtigkeiten führen wird. Welche Blüten dies treibt, sieht man etwa, wenn im Zuge der Gleichberechtigung bei der Armee den Angehörigen eines Geschlechtes lange Haare erlaubt, den Angehören eines anderen Geschlechtes lange Haare verboten werden. Hier sollen Klischees durch Klischeehaftigkeit bekämpft werden. Das ist mittlerweile höchstrichterlich bestätigte Praxis.

… und unsachlichen Debatten.

Dieser Prozess wird also immer fragwürdig bleiben und für Diskussionen sorgen. Zu einem Dialog wird es dabei jedoch kaum kommen. Dieser unterliegt nämlich denselben Voraussetzungen: Niemand kann sachlich über Geschlechter diskutieren. Das heißt keinesfalls, dass Redebeiträge, Meinungs- oder Interessenartikulation nicht legitim wären. Natürlich sind sie in einer gesellschaftlichen Debatte berechtigt und sogar notwendig. Man wird sich jedoch niemals darüber einig werden, welche Meinungen oder Interessen wie gewichtet werden sollten. Eine solche Debatte wird immer emotional, unsachlich und ungerecht sein. Und deshalb stellt sich die Frage, in welchem Rahmen solche Debatten sinnvoll sind. Das Internet beispielsweise gilt als Katalysator für unsachlich, überemotional und ungerecht geführte Debatten. Hier wird man durch jeden wie auch immer gearteten Redebeitrag weniger erreichen, als vielmehr zerstören. Warum?

Man mag argumentieren, dass eine Veränderung der Geschlechterbilder nur dann stattfinden kann, wenn die Menschen sie in ihrem Alltag durchsetzen. Dieses Argument hat durchaus seine Berechtigung. Wir alle müssen uns schließlich immer schon an uns selbst und den Tatsachen, die wir vorfinden, abarbeiten. Die Frage ist jedoch, ob man an sich selbst und diesen Tatsachen, zu denen eben auch das Geschlecht und das Geschlechterbild zählen, etwas ändern wird, weil man dazu in einer, ob nun online ausgetragenen oder persönlich geführten, Diskussion aufgefordert wird. Dies würde ich doch sehr stark bezweifeln. Die Voraussetzungen für einen machtfreien Diskurs oder eine kontemplative Kommunikation sind hier denkbar schlecht. Beispiele des Scheiterns finden sich unzählige.

Worüber man nicht reden kann…

Wenn wir aber über so etwas nicht diskutieren können, sollen wir dann davon schweigen? Das weiß ich nicht, aber ich kann niemandem verübeln, es zu tun. Ebenso wenig würde ich hier irgendjemandem den Mund verbieten wollen. Wenn wir ihn aber schon aufmachen, sollten wir immer versuchen, den jeder und jedem gebührenden Respekt aufzubringen, jedenfalls sofern dieser uns nicht daran hindert, miteinander und vor allem über uns selbst zu lachen. Denn wo auch das nicht mehr möglich ist, geht die Diskussion mit Sicherheit in eine völlig falsche Richtung.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Gonzosophische Lebenshilfe, Zur Sache selbst abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.