Frauen stinken (?)

Nein, ich habe es nicht gelesen. Es liegt aber auch wohl in der Autorenabsicht, mit diesem Buch einen größeren Kreis als das lesende Publikum anzusprechen. Jeder scheint betroffen, geht es doch um die crux mundi: Männer, Frauen und was sie mit ihren Körperöffnungen so alles anstellen. „Feuchtgebiete“ eben, Charlotte Roches Debütantinnenstück in Sachen „Roman“. Eine Streitschrift auf dem Schlachtfelde der Geruchsauthentizität und wider den sog. Feminismus aktuller Ausprägung, welcher sich in vorauseilendem Rollengehorsam erschöpft und diesen als weibliches Naturell verkaufen möchte. Sicher ein interessantes Feld. Aber muss es wirklich auf diese Weise beackert werden? „Ich benutze mein Smegma wie andere ihre Parfümflakons. Mit dem Finger kurz in die Muschi getunkt und etwas Schleim hinters Ohrläppchen getupft und verrieben. Wirkt schon beim Begrüßungsküsschen Wunder“, so lautet der erste Satz der amazon.de Produktbeschreibung und wenn man dem Feuilleton Glauben schenken darf, so ist er durchaus exemplarisch.
Ich möchte so etwas weder lesen noch durchdenken. Da bin ich wohl verklemmt. Doch ich finde auch die Diskussion um eine angenommene „Natürlichkeit“ sehr müßig. Entgegen der weitläufigen Meinung möchte ich beispielsweise sehr in Frage stellen, ob Frauen in prähistorischen sozialen Gruppen tatsächlich eine gehobene Stellung besaßen, da sie sich ihre Sexualpartner aussuchen konnten. Menschen haben ihre „natürliche“ Sexualität längst überwunden — zum Glück! Wir sind nicht nur Naturwesen, wir sind verspielt. Gerade im Bereich Sexualität haben sich seit Menschengedenken verschiedenste Spielarten entwickelt. Weder Intimrasur noch Intimfrisur sind eine größere Perversion als das jeweils andere, wohingegen ich es einfach mal als zivilisatorischen Fortschritt anerkennen würde, wenn man sich denn ab und an mal wäscht. Verstehen sie mich nicht falsch, ich würde doch niemals jemanden zwingen, sich zu waschen. Aber ich sehe auch keine Diskriminierung darin, weiträumig ausströmenden Genitalgeruch als sozialen Störfaktor zu identifizieren. Das ließe sich sicher auch empirisch untermauern, von irgendeiner amerikanischen Uni z.B. Dass der Geruchssinn auch der Geschmackssinn ist, erkenne ich an. Und Geschmäcker unterscheiden sich: Der eine schnuppert lieber an roten Rosen, der andere an rosa Rosetten – meinetwegen. Beide teilen sich ja durchaus die gleichen Aromastoffe (Indol). Darüber lässt sich also schlecht streiten. Aber wie lässt sich dann darüber etwas sinnvolles schreiben?
In jedem Fall kann man das, was hinten raus kommt sehr gut verkaufen – wie eben nahezu ein jedes Werk prominenter Autoren, welches vielfach Genitalsynonyme enthält. Ob man seine Nase jedoch in dieses sekretgeschwängerte Opus stecken oder lediglich darüber rümpfen möchte, bleibt wohl Geschmackssache. Ich greife derweil lieber zu buchstäblich trockenerer Lektüre oder vergnüge mich mit niveauvollem Bildungsfernsehen (siehe Kommentar) welches beweist: Auch stinkende Männer können Sympathieträger sein. Ihnen viel Spaß, ob nun in Bildungswüste oder Feuchtgebiet.

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Dichotomonolog

Hast du schon einmal über Wiedergeburt nachgedacht, die Konsequenzen? Schule, trocken werden, der erste Kuss und den ganzen Mist noch einmal von vorn. Gott, nein danke – ohne mich! Wenn schon nicht sterben, dann doch wenigstens ewig leben. Deshalb bin ich ganz zufrieden Katholik zu sein.
Ach immer dieses morbide Gerede, dass macht dich zum Katholiken und zu einem unbeliebten Gesprächspartner. Kannst du nicht einfach mal über das Wetter plaudern wie jeder andere auch, oder auf „die da oben“ schimpfen meinetwegen?
Also ich bin ja der festen Überzeugung, dass man nur über Themen sprechen sollte, von denen man zumindest mehr versteht als der Durchschnitt der Bevölkerung. Das würde nicht nur angenehm viele Menschen zum absoluten Schweigen bringen sondern ganz nebenbei auch noch ein paar neue Tabuthemen erschaffen, allen voran das Wetter, aber auch Finanzpolitik und Sex.
Aber du nicht, du kannst natürlich über alles reden, schließlich hast du ja von allem Ahnung!
Nun, ich will ja nicht prahlen, aber dass ich dem Normalbürger gegenüber durchaus…
Da haben wir es doch schon wieder!
Was haben wir da schon wieder?
Na deine morbide, katholische Menschenverachtung. Von wegen „angenehmen Schweigen“ und diese ständigen Angriffe gegen die „Normalbürger“…
Ich hab doch gar nichts gegen Normalbürger gesagt, das ist doch in keiner Weise ein wertender…
Gesagt hast du es natürlich nicht, nein, aber du hast es gemeint!
Bitte?
Deine Spitzen gegen alles und jeden, diese andauernde Nörgelei ist doch offensichtlich, egal was du nun gerade wörtlich sagst. Hinter allem steckt doch dieser sarkastische Grießgram.
Aha, egal was ich sage, ich meine dabei immer etwas Schlimmes. Klar, dann ist es ja auch egal, was ich nun über wen auch immer sage, denn schließlich…
Nun drehst du es wieder wie es dir passt, auch wieder typisch. Alles wirkt dann plötzlich so, als hätte der Herr immer Recht gehabt.
Das mag daran liegen, dass ich immer Recht habe.
Und dich dann aber plötzlich wunderst, dass niemand mehr mit dir reden mag, geschweige denn diskutieren und du dir selbst irgendwelche…
Ach das ist nun plötzlich auch meine Schuld, dass andere Leute sich nicht im Stande sehen mit mir zu reden.
Ja wessen Schuld sollte es denn sein? Oder glaubst du etwa sie hätten plötzlich das reden gänzlich eingestellt und die Funkstille, die zwischen euch herrscht, sei dabei nur ein schweigender Kollateralschaden?
Möglich wär’s.
Und wir werden schon wieder sarkastisch.
Und wir benutzen schon wieder Anbiederungspersonalpronomen.
Ich gebe es auf, mit dir kann man einfach nicht normal reden.
Es ist ja auch nicht so, als würde jemand etwas sagen.

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repertieren

Sich durch den Morgen winden, substanzlos. Fahl atmen und den Regen schlagen hören, gegen das Fenster, wieder einmal. Nichts hat sich geändert. Der Staub schläft. Die Lunge liegt trocken, die Texte brach. Ich lutsche den Tag und Salmiak — Erwachsenenlakritz, extra stark. Noch blitzen die Augen unter den Brauen hervor, selten zwar, aber es passiert. Ich nehme den Stift in die Hand, schlage die Bücher auf. Doch dabei bleibt es. Nichts entsteht in meinem Kopf, abends weich gebettet in den Staub, in graue Laken. Nein, die Tür bleibt geschlossen, die Vorhänge zu. Ich brauche das nicht. Ich bin kein Verbraucher. Ich kreiere, krepiere. Mal sehen…

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kif kif


Ich bin allein und bleib allein, wie ich es immer war. Bedeutend bin ich nur, ist niemand anders da. Schmerzhaft spürt keiner den Verlust. Abgestoßen, abgetrieben, abgekapselt, abgeschrieben, abgemacht und aufgerieben.
Man hasst mich nicht einmal. Ich bin egal.

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Worst Film ever

Aus aktuellem Anlass möchte ich einfach mal bekannt geben, welchen ich für den schlechtesten Film aller Zeiten halte: ‚Alien Predator‘. Wahrscheinlich hat den noch niemand gesehen, aber es lohnt sich. Nicht nur eine geklaute Idee, unglaublich schlechte Dialoge und Spezialeffekte – manche der schlechten Szenen muss man sich tatsächlich auch noch mehrfach ansehen. Obwohl das schon fast wieder kreativ ist, eine Verfolgungsjagd darzustellen, indem man ein und dieselbe Szene einfach 5 Mal nacheinander aus verschiedenen Kameraeinstellungen zeigt. Naja, vielleicht hatte die Stadt auch nur eine einzige Kreuzung. Jedenfalls ein Muss für alle Freunde des schlechten Films. Dürfte nur schwierig sein ihn noch irgendwo zu bekommen, wenn man nicht zu den glücklichen Menschen zählt, die ihn auf einer verstaubten VHS daheim haben.

„Nein! Nein! Ihr könnt mir nicht helfen!“
„Doch doch, das können wir bestimmt!“
„Meint ihr wirklich? naja, dann … *vomGeisterLKWzermanschtwird*“

PS: Bekommt Cate gleich nur einen oder gleich zwei Oscars?

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