Andres

Woran denkst du? Woran. Augen, tasten, fühlen – woran? Du denkst: ran! Denkst, dass du zu viel denkst und dann noch: Man, denk nicht daran und fühle, taste. Ran! Angehen, was Anfühlen angeht. Und verschlungen sein, denkst du.

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Schläfst du noch, Johann? … Wach auf. Was liegst du da? Es ist Zeit.

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Ach lass mich liegen, lass mich doch. Ich habe nichts, nichts zu tun. Alles ist mir kalt und schmerzt. Das Ziehen wieder und das Sausen in den Ohren – lass mich liegen. Seit Tagen auf den Stoppelfeldern, habe keinen Branntwein mehr und keinen Kanten Brot. Ich bleibe liegen, es ist schon alles gut.

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Woyzeck, sieh dich an. Du bist doch immer, noch ein Mann. Hast Stärke, Hände, siehst und hörst dich doch. Steh auf und tue, was du musst. Fasse Mut. Es ist längst Zeit, sie wartet doch auf dich.

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Sie wartet, meinst du. Auf wen wartet Sie? Erwartet diesen oder den, jenen oder jeden! Sie lacht mich an und lacht mich aus, sie nimmt mich auf und wirft mich raus. Sie kommt und geht und redet schlecht.

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Und redet doch mit dir. Du weißt, du musst sie treffen, wo sie lebt. Ihr Herz berühren; weißt, du musst. Und gehst auch schon.

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Ich gehe müde, muss die Glieder doch bewegen, den Schmerz zerdrücken und mir von den Hacken laufen. Der Frost muss aus den Lumpen doch heraus. Ich muss ja irgendetwas tun, irgendwen finden in der Stadt. Vielleicht gibt jemand mir Quartier, Arbeit oder einen Bissen Brot. Wie soll ich zu ihr gehen? Abgebrannt und abgeschabt. Ich war Soldat, Friseur und Pappeschneider. Ich bin doch ohne Pappe, Schere und Gewehr. Und habe nichts als meine abgewetzte Haut und den zerbrochnen Degen. Sie aber hat den Schmuck so gern: die blanken Knöpfe und Beschläge der Soldaten, die sie abholen zum Tanz.

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Du bleibst Soldat, du hast die blanke Klinge und kannst sie holen, ab zum Tanz. Geh! Hol sie ab, stich zu, Stich! Berühre sie am Herzen, wo sie lebt.

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Sie schimpft mich arm und lacht mich aus und doch, sie lacht mich an und nimmt mich auf. Sie küsst mich, wenn es niemand sieht und beißt mich, wenn es ihr beliebt. Wie kann ich ihr … genügen?

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Denk nicht an sie. Denk nur an dich. Denk nach. Denk an den Tag, den an die Nacht, denk an das fahle Schlafgemach, an zarte Haut und krauses Haar, an Leibgeräusch und Nachtgemahl und denk daran – wer bei ihr ist…

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Falsch! Ach wieso denn nur ist sie so falsch? Lass mich, so lass mich doch! Warum denn nur? Ich muss sie recht machen. Es richten, werde Sie… da ist die Stadt. Die Menschen, Häuser haben Sie und bauen und bewachen sie. Hat irgendjemand nur ein Fetzen Brot? Ich habe solchen Hunger, solchen Hass auf eure bunt bemalten Häuser. Hasse, ja ich hasse euch und hasse sie. Ich muss, ich kann und werde sie. Da wartet sie. Und lacht.

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So still.

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So still und alles ist getan. Du denkst. Woran? An nichts, aus dem die Ruhe fließt, wie rot und dick. Alles ist leicht und so weit weg, als wäre der Gedanke körperlos, entbeint; als hinge dir der Kopf am Firmament und frei schwingt schon dein nackter Fuß im Wind. Nun leg dich hin. Es ist vorbei und alles ist gesagt. An alles ist gedacht.

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