Herr Siel III


Fatale Weltsicht. Herr Siel wusste schon als Kind genau, was er später mal sein wollte. Anders als die meisten angehenden Astronauten und Tierärztinnen lies er sich jedoch nicht so leicht davon abbringen

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Selig

„Es ist interessant, wie die materielle Welt mit der geistigen in Verknüpfung steht, wie sich beides wechselseitig beeinflusst“, hatte er noch vor ein paar Stunden gedacht, als pünktlich zum Kaffee die Küchenlampe implodierte. Nun dreht er den Zündschlüssel herum und hört einen lauten Knall. Es folgte ein metallisches Scheppern. Er steigt aus und hebt ein großes, rostiges Metallteil auf, das noch vor wenigen Sekunden ein womöglich wichtiger Bestandteil seines Autos gewesen war. Der Kopf sinkt wie gewohnt.
So verhält es sich mit dem Leben: Man kauft Motoröl, Kühlflüssigkeit und Scheibenwischer für knapp 40€ – eine Woche später versagt die Fahrwerksfeder. Dann ist man pleite, voraussichtlich. Es ist ja nicht so, als hätte man Arbeit.
Ganz anders verhielt es sich im außergewöhnlichen Leben des Herrn Aurelius Guldenhammer. Er war der erfolgreichste Krämer in ganz Brabant. Wenn die Einwohner der freien Reichsstädte vom „alten Pfeffersack“ sprachen, so meinten sie stets ihn. Allein sein Verhältnis zu den Frauenzimmern jener Zeit passte nicht so ganz in das Bild seiner ansonsten makellosen Ansammlung kostbarer Errungenschaften. Und hier stimmen unsere beiden, ansonsten völlig verschiedenen Charaktere überein. Es ist schon seltsam, mit welchen Menschen man sich oft in einer Menge vereint sieht. Nicht allein deshalb versuchen sie doch bitte, ein wenig an ihren Eigenschaften zu feilen, denn schließlich werden auch sie einmal durch diese definiert werden.
Man beachte:
Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.
Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.
Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben.
Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden.
Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.
Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen.
Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.
Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich.
Selig seid ihr, wenn ihr um seinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet.

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Haben sie diesen Mann gesehen?



Mark Schwarz wurde zuletzt im Oktober 2003 auf der Weihnachtsfeier des TUS Lingen gesehen. Bekleidet ist er mit Preisen der vereinsinternen Tombola, einer gelben Hose sowie blaugrüngraue Sneakern. Mark Schwarz ist 1.90 groß und trägt gelegentlich seine Brille. Er ist verwirrt und bedarf dringend ärztlicher Hilfe. Sollten sie ihn sehen, sprechen sie ihn nicht an und wenden sie sich schnellstmöglich an geschultes Personal. Auf sachdienliche Hinweise, die zu seiner Ergreifung führen sollten, ist von niemandem eine Belohnung ausgesetzt worden. Ende.

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Katharsis

Warum glauben so viele von euch nur, der Tod würde das Leben abrunden? Dass er ein Traum sei, der sich aus dem Leben speise. Schmerz ist er; schwarz. In Dunkelheit und Leiden verliert sich jedes Ich.
Nehmt ein Rasiermesser. Setzt es euch an die Ferse und gleitet durch die Sehne. Näher werdet ihr den Tod nicht spüren. Da ist kein Leben. Die Schneide trieb noch jede Seele aus, denn Moiren knüpfen nicht. Schrill ist das Nichts, scharf ist der Tod. Und dennoch wartet man auf ihn, so wie man auf den Zahnarzt wartet. Es nützt doch alles nichts.
Ich bin zuhaus gewesen. Ich habe Ostern gefeiert. Ich ging in die Kirche. Drei Tage voller Luft und Worte. Dabei vergaß ich die, die mich schon längst vergessen hatten, und dacht an den, der meiner stets gedacht. Ach man ist ja so dumm, es immer schon gewesen. Und sehnt in Träumen sich nach dem, was man für Leben hält. So schläfert man sich ein, bis auch der Tod nichts weiter ist als noch ein müder Traum. Als warte er am Ende dieser dumpfen Nacht. Doch nur das eine ist gewiss: Am Ende, da ist Nichts.

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0003

Jahre des Studiums unter diesen seltsamen Menschen mit lauter Absichten und Neigungen. Ambitionen habe ich verloren, sofern welche vorhanden waren. Die Mundwinkel verfestigten sich. Sie dagegen haben sich nicht geändert. Geisteswissenschaftler, Religionswissenschaftler — seltsames Volk. Männer von uneindeutigen Interessen aber eindeutigem Selbstbild. Diese Frauen, bei denen man beim Vögeln die ganze Zeit vor den Traumfänger guckt. Sonst haben sie leider sehr wenig hippiesques.
Ich passe nicht dazu. Selbst nach dieser langen Ausbildung, die nichts als Homogenisierung bedeutet. Jeder hat sich den gleichen Schemata anzupassen; Auslandserfahrungen, Praktika, Fernbeziehung; Mobilität. Marktwertsteigerung auf allen Gebieten. Natürlich ist dabei jeder unterschiedlich. Der eigene Stil, ein wenig Sinn für Extravaganz und Sport, des guten Körpergefühls wegen — und natürlich bleibt man unpolitisch, wenn auch politisch unzufrieden. Das ist Understatement; Sakko und gepanschtes Bier; happy hour. Die schönste Zeit des Lebens, mal wieder, unter Vorbehalt. Meine Generation; der aktuelle „Mensch“.

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