im Nebel

Wenn ein Samstagabend nicht mehr für dich bereit hält als saure Gurken, nicht einmal Bierdurst mehr erwacht. Ja, was dann? Ich sitze vor dem leeren Blatt, es wird leer bleiben. Ich kann noch so lange in den Zettelkästen wühlen, mich mit Musik voll saugen. Es treibt mich nichts mehr um. Die Hand liegt still, der Fuß schläft ein.
Ich mache Karamell, ich trinke selbst gesuchten Tee und streiche über meinen Bart, der jeden Tag noch etwas mehr zerzaust. Vielleicht ist es die Stille, die mich schweigen lässt. Vielleicht macht mich die Kälte alt.
Ich bräuchte eine Stimme, ein warme, um meinen Worten Atem einzuhauchen. Dem Leben zu verleihen, was nun so karg und bleistiftgrau hier vor mir liegt. Es gibt nur dem sich her, der es laut liest:
Kein schlimmres Los als unter Menschen sein, die man nicht kennen kann. Denn jeder lebt und stirbt allein. Kein schlimmres Los als Einsamkeit gehört zum Menschensein, denn an ihr stirbt die Menschlichkeit. Nichts gibt es außer einsam sein, in jedes Du dringt es hinein. Kein schlimmres Los als Mensch zu sein. Allein.

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Grundlos

Wie das Meer ein altes Wrack, das auf einer Sandbank liegt, legst du mich immer wieder bloß. Umspülst die alten Wunden mir, die doch von dir selbst geschlagen. Danach deckst du mich wieder zu, bettest mich weich und still. Und wie ich schlafe, schwer, mit dem Geschmack von Rost. Niemand sieht mich, taucht zu mir herab.
Ganz allein liege ich und sinke weiter in den Sand. Bald ist’s als hätte es mich nie gegeben. Dann bin ich nicht mal mehr Gefahr — für die dort oben, die noch atmen müssen. Die sich fürchten im Vorüberziehen. Dass ich sie herunter reiße, hier zu mir ins Dunkel. Unters Meer, wo mich der Sand begräbt. Wie du.

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14. Februar

Du läufst mir übern Weg, bei den simpelsten Gedanken störst du meine Kreise. Leise schleichst du dich an, wann immer ich allein sein mag. Ganz unbehaglich aus dem Dunkeln trittst du an mich ran. Dann drehe ich mich um und sehe deine Zähne, Lippen, Lächeln wird es sein. Was soll das alles heißen?
Ich sollte dich nicht weiter denken, aus ungelenken Worten konstruieren was du für mich wärst, wenn erst der Tag gekommen ist, an dem wir zwei als Menschen leben. An dem uns nicht mehr alles Sein vergebens ist und separierter Tod.
Ach alles nur noch blasser Schein und Holzgerüst. Ich reiße die Fassade ein und lass den Bruch nach außen dringen: Weinen. Singen. Lachen
Aus meinen Träumen dringen graue Decken in den engen Alltag einer Welt. Nicht meiner.

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[ ] essen [ ] auf

Ich bin ein guter Wirt, bei mir gastiert die Angst frei haus, lieg ich nicht gerade zwischen Büchern. Ich liege nicht mehr viel. Angst scheucht mich auf. Angst treibt mich hinaus. Nur in Bewegung bleiben, immer nur. In Ruhe kommen die Gedanken, beginnt die Angst zu nagen. Seit langem bin ich teilverdaut. Was davon übrig bleibt ist weißgott nicht schön anzusehen.

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von Fischen und ganz kleinen

Als ich heute für einen Freund eine Bewerbungsmappe kaufte, da er sich auf die gleiche Stelle bewirbt wie ich selbst, von der ich auch nur durch ihn erfahren hatte, ging mir endlich auf, warum wir Geisteswissenschaftler und Germanisten nicht für den Stellenmarkt geeignet sind: Wir haben das ganze einfach nicht richtig verstanden. Diesen Geistesblitz wollte ich dann für mich behalten um zukünftig einen Wettbewerbsvorteil ihm gegenüber zu haben. Auch dazu war ich leider nicht fähig. Vielleicht ist das mein einzger Wettbewerbsvorteil. Wohl eher nicht.

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