Gonzosophieren?

Wie wäre es möglich Gonzosophie zu betreiben, wenn man sie nicht definieren könnte? Es kann und muss eine Definition von Gonzosophie geben, eo ipso. Sie besteht jedoch nicht in der Beschreibung eines Systems, einer Lehre, denn so funktioniert Gonzosophie nicht. Sie unterliegt keinen festen Sätzen und Axiomen, lässt sich in kein Definitionsgefüge einbauen. Es muss und kann also keine Definition von Gonzosophie geben, eo ipso. Wie ist es nun möglich Gonzosophie zu betreiben, wenn man sie nicht definieren kann?
Indem man sich gonzosophisch verhält. Ganz recht, Gonzosophie resultiert aus einem Verhalten, einem Verhältnis zwischen Welt und Selbst. Das heißt zuerst einmal, dass diese beiden Begriffe essentiell sind. Ohne Welt, ohne Selbst, ohne Welt- und Selbstwahrnehmung kann man sich schwerlich gonzosophisch verhalten. Gonzosophie aber geht über diese Wahrnehmung hinaus, leistet Verknüpfung, Vermischung von Welt und Selbst in der Reflexion. Sie vermischt die Reflexion mit der Aktion, dem Werk, der Wahrnehmung. Text ist Reflexion, ist Veralten zu sich und der Welt. Der gonzosophische Text ist somit schwerlich von seinem Autor und dessen Erlebnissen zu trennen, seine Erlebnisse erschließen sich uns und ihm nur im Rahmen von verschriftlichten Gedanken. Man schöpft aus dem vollen, grob gesagt.
Gonzosophie als Text will philosophisch sein, heißt sein Leben so zu leben, als ob sich darin Philosophie spiegele und es heißt so zu schreiben, als ob sich darin Leben spiegele. Man sieht leicht, dass dies ein Kreislauf ist. Nicht jeder Bestandteil ist gonzosophisch, das Verhältnis sollte es sein – und sein Produkt. Gonzosophie ist ein Herstellen. Sich selbst und textualisierte Gedanken stellt man her, formt gezielt, auch seine Welt (zumindest partiell). Gonzosophia est ars, ein freies Spiel; ein Okkasionalismus der Kunst, deshalb eklektizistisch und kontingent. Sie oszilliert, mit ihr der Gonzosoph.
Damit schafft sie ein Verhältnis der gegenseitigen Beeinflussung von Welt und Selbst, spielt mit dem Zwang, zwingt zum Spiel, Wortspiel – auch mit Theorien, auch mit Definitionen. Vor allem mit Fremdwörtern.

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Heute (Gestern) an der WWU

Der Vortrag: Habermas am Hindenburgplatz, dies zur 75. Jährung des Tages, an dem Hindenburg die Macht an Hitler übergab – Zusammenhang wohl kaum beabsichtigt. Dass ich Herrn Habermas 2 Stunden vorher auf Kreide für ein Referat meinerseits anschnorren musste, da in dem für ihn vorbereiteten Vorbesprechungsraum viel mehr von diesem kostbaren Gut vorhanden war als sonst jemals in irgendeinem der Seminarräume, sagt wohl mehr über den Stand der Philosophie in der heutigen Gesellschaft aus.
Der Starkult jedenfalls ist ungebrochen. Auch eine halbe Stunde vorher angekommen war es unmöglich Habermas’ Vortrag auch nur per Videoleinwand mitzuverfolgen. Was diese ganzen Menschen und Studenten sich davon erwarteten, man weiß es nicht, scheren sie sich doch wohl kaum alle um, nennen wir es wirkliche Probleme. Ich war also gezwungen statt dem mit einem Kommilitonen ein Bier trinken zu gehen. Sicher kein Habermas, aber zumindest angerissene Gespräche über Hannah Arendt. Wir sind die Kreide von Morgen.

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Arbeit

Durch Nebel stießen wir
mit klaren Schritten
und stachen Bajonette
in die Nacht.
Kein Zögern,
kein Gedanke
vergiftete das Tun.
Dunkel quoll es,
dampfend,
aus jeder Freiheit,
die wir gaben,
bis dass der Arm
vom Schlachten müde
niedersank auf die Maschinen,
die uns erworben waren
– durch die Tat.
Nur unser Nichts hat sie,
hat uns befreit, mit Mord,
mit Wut sie, reingebrannt,
von Blut, von Tod,
sind sie das Eden nun,
sind unser Gut.
Wir leben.

Lasst die Maschine an.

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Aktuell

Arbeite gerade an einer Definition der Gonzosophie. Da erinnerte ich mich an den ollen Wittgenstein und wollte vorerst mal fragen. Wie würdet ihr ihn eigentlich verwenden/deuten?

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wenn

elysium und Nihil,
nichts Anzustreben,
Alles ist,
was bleibt.
Dann Ist die nacht
dein zuhaus,
ist Allein Alles,
was war.
denn Ohne Licht
ist blond
genauso Schwarz
wie schwarz;

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