Ulkus III

Frohe Weihnachten. Seit 3 Tagen außer Pillen nichts gegessen. Eben wurde mir mitgeteilt, dass die Gastro heute ausfällt, der Arzt ist wohl schon im Urlaub – nüchtern soll ich natürlich noch bleiben, zumindest bis morgen. Dann sind es schon 5 Tage nichts als lecker Antibiotika, Eisenpillen und Tropf. Morgen darf ich den Mitinsassen dabei zusehen, wie sie Gans oder Filetsteaks zum Mittag bekommen. Saure Gedanken. Was sich nun in meinem Innern abspielt sagt mir niemand. Blutwerte sind stabil. Ich fühl mich einigermaßen. Geduscht, rasiert. Schlapp, Hunger. Heute kommt Weihnachtsbesuch. Ich hab keine Geschenke, hatte als Lastminutemensch keine Zeit, welche zu kaufen. Regelmäßig höre ich wieder die Frage „Sind sie immernoch hier?“. 16 Tage sind es nun schon. Frohe Weihnachten.

Ärzte sind auch nur Menschen. 2 Wochen haben sie nun an mir rumgedoktert. Mehrfach gelasert, unterspritzt usw. Jedes mal fing es wieder an zu bluten. Jedes mal nachdem ich wieder normal essen durfte. „Schneiden sie die Kruste des Brotes eigentlich ab? Die dürften sie normalerweise gar nicht bekommen“. Gut, dass man mir das nach 10 Tagen und drei Rückfällen gesagt hat. Nun haben sie über die Feiertage einfach mal gar nichts gemacht, obschon es geplant war, aber es hat ja kein Arzt Zeit. Für mindestens 6 Tagen gar nichts zu essen. So sind zumindest die Werte stabil. Das wird als Erfolg verkauft, als geplante Maßnahme. Im Befund stand noch etwas von baldiger Nachfolgeuntersuchung und abermals Speiseaufnahme. Egal. Zwei Wochen Therapie haben nichts gebracht, lediglich alles vernarbt, Nichtstun führt nun scheinbar zur Heilung. Hurrah. Ob es mit mir nun wirklich bergauf geht, kann mir niemand sagen. Die Gastroskopie macht Urlaub. Auf Nachfragen wird mir gesagt „Seien sie froh, dass sie noch einen Magen haben. Wunderbar. Die Frage, wessen Verdienst das ist, habe ich nicht in den Raum gestellt. Aber es geht mir gut, vielleicht heilt nun endlich alles. Sollte ich jedoch irgendwann mal halbtot umfallen und zufällig auf meppener Boden aufschlagen, egal wie ernst es ist: Bitte bringt mich woanders hin.

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Ulkus II

In etwa 98% der Fälle heilt solch ein Geschwür ohne größere Komplikationen aus. Schon wieder intensiv. Der Arzt schüttelt den Kopf. Befund: „deutlicher Fibrinbelag am Boden einer kirschroten Veränderung“. Kein Blut im Umfeld, deutliche Narben. Mit Magensonden ist nichts mehr zu machen. Entweder das Geschwür heilt nun spontan in den nächsten Tagen aus, was es schon seit 2 Wochen hätte tun sollen, oder sie schneiden mir den Wanst auf. Ich hör sie schon wetzen. Heiligabend verbringe ich nun jedenfalls im Krankenhaus, wohl auf der Intensivstation. Vielleicht im OP. Angst? Vielleicht ja. Eher bin ich genervt; von mir, meinem Körper, der erfolglosen Therapie. Mittlerweile schlucke ich schon Globoli. Verschließe die Augen vor dem Außen. Nur liegt das Übel inwändig. Soweit ist es.

Die Sonne geht auf. Die Blutwerte sind gestiegen. Noch etwas schläfrig erwarte ich den Befund der vorangegangenen Gastroskopie. Draußen ist ein sehr schöner Tag, Die Bäume gepudert und die Luft klar. Man kann sie durch das Fenster fast schmecken. Ich habe wieder Hoffnung, sowas wie ein stilles Lächeln, das fern dem Galgenhumor ist. Seit 38 Stunden außer Pillen nichts gegessen. Die Nacht hatte ich so etwas wie gebetet (Du weißt schon, wie scheinheilig das aussieht), konnte nicht schlafen, „Magenverkleinerung“ und „künstlicher Darmausgang“ klangen nach. Ich ließ mir eine Tablette geben. Heute morgen dann geduscht, gekämmt, gefönt. Fast wie ein Mensch seh ich wieder aus. Gleich wird der Arzt kommen, mir sagen wie es weiter geht.

Sie haben gestern nochmal versucht einen Draht in mein Gedärm zu treiben. Dies ohne Bauchschnitt und augenscheinlich hat es geklappt. Der Chefarzt selbst war es diesmal. Ich weiß nicht ob das am Feiertagsdienst liegt oder an meinem Onkel, Mitglied des Krankenhauskuratoriums, der sich wohl eingeschaltet hat. Mein Name ist der Krankenhausleitung nicht fremd, scheinbar hatte man über meinen seltsamen Fall schon gesprochen. Für mich ist das nun alles irrelevant. Der Draht muss halten; ist er mittlerweile abgerutscht, stehe ich wieder am Anfang oder vielmehr am Ende. Ich fühle mich wiedermal „eigentlich ganz gut“. Der Kreislauf ist stabil, die Blutwerte wohl ebenfalls. Dennoch, ich habe ein Brennen im Magen, ein unheimliches Grummeln. Liegt das nun an 2 Tagen ohne Nahrung oder hat sich der Draht längst verabschiedet? Gleich wird nochmal Blut abgenommen, der Wert kontrolliert. Dann kommt der Morgen, der Befund.

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Ausfallzeit

Ich lag nun fast 3 Wochen im Krankenhaus. Ich bitte etwaige, dadurch entstandene Leere zu entschuldigen. Nähere Beschreibung folgt womöglich noch heuer. Nachträglich frohe Weihnachten an alle.

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Staccato

Ein altes Ehepaar, das seinem Tod entgegenfrisst, in abgezählten Räumen. Sie — rot und breit; Er — der nur noch mit den Lenden küsst. Dies jedoch unter Applaus, denn ihre Backen klatschen Beifall. Ein schmatzendes Begleitkonzert, die Mienen bleiben ungestört; nichtmal ein dumpfes Lächeln. Kein Dösen; Stöhnen, Rhythmus nur enthält die wohlbewährte Partitur, bis sie aufwischen darf. So gehts dem Abend zu.

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Aphorismus

Wir sind uns keine Menschen mehr, ohn‘ Mensch gibts kein Erbarmen.
Wir sind keine Menschen mehr, ohn‘ Mensch gibts keinen Glauben,
Amen

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