Neue, literarische Traumfrau

„18. Leonore, Fiescos Gemahlin. Dame von 18 Jahren. Blaß und schmächtig. Fein und empfindsam. Sehr anziehend, aber weniger blendend. im Gesicht schwärmerische Melancholie. Schwarze Kleidung.
[…]
Leonore (reißt die Maske ab). Nichs mehr. Kein Wort mehr. Es ist am Tag. (Sie wirft sich in einen Sessel.) Das wirft mich nieder.“

(Friedrich Schiller, Die Verschwörung des Fiesco zu Genua)

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Totentanz

Zur Nacht heraus aus feuchter Erde, steht auf was einmal Leben war. Ein Kerl, ein Weib – mit düsterer Gebärde, so sammelt sich die stille Schar. Und wie von einer Hand gelenkt, so taumelts nach dem Kirchhof her, wo jedes Haupt sich tiefe senkt, als wenn es hohe Messe wär.

Da! Plötzlich schlägt ein Scheppern rings umher, ein Zucken fasst die Klapperleiber. Fort! Längst schämt man sich nicht mehr — sie streifen ab der Menschen Kleider. Die Knochen wiegen sich im Takt, der Reigen hebt zum Tanze an. Vom groben Rhythmus ganz gepackt, voll dumpfem Stöhnen dann und wann.

Ich schau mit Grauen die Gebeine, ich hör das Schlagen bis hierher. Ich krall mich an die Glockenleine, mein Atem wild, die Brust mir schwer. Kauernd, hoch über diesem Feste, das sich im Mondschein hebt und neigt, versteck ich mich im Türmerneste, auf das das Tote endlich schweigt!

Doch der Tod kennt nicht, das Leben nur ein Ende. Ihr Reigen tanzt in Ewigkeit. Sie halten sich die Knochenhände, vergessen längst sind Schmerz und Neid. Je länger ich sie tanzen sehe, erfasst mich tiefe Traurigkeit. Durchs Leben tanzt ich nie. Ich gehe — und das von Angst und Leid gebeugt.

Ich will nur tanzen so wie sie! Will scheppern, klappern, um mich kreisen! Mich packt es, zerrt es und ich flieh den Turm hinab die Tür aufreißen. Dort stürze ich zum Kirchhof hin, will mich in ihren Kreis einreihn. Doch!… als endlich ich am Platze bin, da sind sie fort. Ich bin allein.

Ich darf nicht mit in ihren Reigen. Ich bin nicht tot. – so leide ich am Leben. Der Schmerz bleibt immer noch mir eigen. Für mich wird es nie Freiheit geben. Aber, ach … vielleicht ist’s bald ja schon soweit – das Leben zwar, der Tod nur kennt kein Ende. Dann reichen wir uns Klapperhände, und tanzen fort für alle Zeit.

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Intrafiktionale Wahrheitsanalyse

Pornographie ist eine Fiktion, das klingt nicht nur wie ein schlechter Wortwitz, es ist auch eine treffende Beschreibung. Jeder, der sie schon einmal konsumiert hat, kennt diese eigene Welt fernab der sog. Realität. Sie funktioniert nur und gerade deshalb so gut, weil sie das Leben, ob biologisch oder sozial und trotz HDTV-Hochauflösung nicht genau abbildet. Pornographie ist ein Rollenspiel, eine Fantasy-Welt und jeder weiß das. Produzenten und Marketing dieser Filme und Zeitschriften zielen ebenso wenig darauf ab, dem Publikum eine derartige Realität vorzugaukeln, als Peter Jackson uns die Existenz von Hobbits vormachen wollte.
Das ist allerdings auch bemerkenswert, Darsteller und Zuschauer übernehmen ganz intuitiv das Regelwerk dieser Fiktion, ohne das es wie etwa beim „Tapletop“ ein Standardregelwerk geben müsste (Trotzdem wäre es sicher interessant ein solches Tabletop herauszubringen oder gar zu spielen). Natürlich gibt es auch in der bunten Welt der Pornos gewisse Genres und Nischenprogramme mit ihren jeweils eigenen Bestimmungsmerkmalen, die sich aufgrund der mehr oder weniger stark ausgeprägten Überlappungen oft nur schwerlich auseinander halten lassen. Dennoch, es gibt grundlegende Verhaltens- und Deutungsmuster, die in fast allen Pornos aber eben nur in Pornos gefunden werden können und diese durch ihre fehlende Realitätsreferenz als solche ausweisen..
HA: Stellen sie eine Liste zusammen mit Dingen, die in der Fiktion der Pornographie nicht existieren bzw. nur hier existieren. (Erektile Dysfunktion, Ekel, Bandscheibenvorfall / „Reverse-Gangbang“)

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Brain drain

Da ich mich auf mein Amt als Firmpate gewissenhaft vorbereitet habe und morgen diverse Geburtstage zu feiern gedenke wird für einen begrenzten Zeitraum relativ wenig passieren. Auch ist mein Kopf in letzter Zeit so leer, wie er für gewöhnlich ist. Naja, es kommen auch wieder andere Zeiten…

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„Ich werde nie mehr alleine sein wenn ihr wisst was ich mein“

Was soll die Aufregung? Zeit ist eine Anschauungsform, 4 Uhr morgens nur eine Konvention — Alkohol ist eine Substanz. Flüchtig. Ich spüre nicht wie spät es ist. Ich fühle Leben, tatsächlich, Ich-Gefühl. Das ist keine Passivität, kein gedacht-werden. Ich bin der Autor, ich bin nicht tot!
Der Blog ist der Beweis. Ein Kartenhaus – ohne Referenz, ohne Urheber ist sein Dasein verloren. Es würde leerer Bezug. Sinnlos. Seelenlos. Seine Wahrheit ruht in mir. Ich bin der Operator, der Allquantor dieser Texte, sie sind Variablen meines Prädikats. Da gibt es keine unabhängigen Verknüpfungen, keine dezentralisierte Kommunikation. Flackern ist kein Morsecode. Web 2.0 ein Mythos — Die Referenz leer aber dessen Wahrheit allgemein akzeptiert.
Besoffen bin ich von der Produzierbarkeit meines Selbst, der selbstreferenziellen Sinngebung, der Phrasendrescherei meines pseudoelaborierten Codes. Unüberwindbar, wie man sieht. Unüberwindbar wie ich selbst. Unbequem nicht länger. Und so völlig eingesunken in diesen Schein von Miteinander, sogar von Füreinander. Das wohl wegen der finalen Effizienz der gehaltlosen Zuneigungsgesten. Der moderne Mensch kann Zusammenhalt nicht mehr durch gegenseitiges Lausen erzeugen. Das Ritual wandelt sich, bleibt aber lausig: Wir gruscheln. Wir kommentieren. So simulieren wir Aufmerksamkeit, wie wir uns selbst simulieren. Jeder ist sein eigenes Produkt, muss sich im Kurs halten. Bis zum Kollaps und darüber hinaus.
Das ist machbar.

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