Der Idiot

Der Idiot trifft schlechte Entscheidungen und fällt falsche Urteile. Da er ein Idiot ist, hält er sie für die guten und richtigen. Nur wer kein Idiot ist, erkennt die Idiotie darin. Unterhalten sich nun Idiot und Nicht-Idiot, müssen sie sich gegenseitig für Idioten halten. Der eine den anderen, weil er ein Idiot ist, der andere eben jenen, weil er kein Idiot ist. Beide beklagen sich anschließend aufrichtig, dass sie es nur mit Idioten zu tun haben.

Trifft eine Gruppe eine Mehrheitsentscheidung, beruht diese nicht nur auf besseren Argumenten, sondern auch auf der Zusammensetzung der Gruppe. Besteht die Gruppe vornehmlich aus Idioten, wird die Mehrheitsentscheidung idiotisch sein. Besteht die Gruppe nur teilweise aus Idioten, aber die Nicht-Idioten sind sich über die besseren Argumente uneins, wird die Mehrheitsentscheidung tendenziell idiotisch. Und alle halten anschließend alle anderen für die Idioten, die mit ihren idiotischen Argumenten für den idiotischen Kompromiss verantwortlich zu machen seien.

Dem Idioten fehlt die Kompetenz, seine eigene Idiotie zu erkennen. Dem Nicht-Idioten fehlt die Möglichkeit, den Idioten von seiner Idiotie zu überzeugen. Für die Idiotie innerhalb einer Gruppe gibt es also eine kritische Masse. Ist diese erreicht, ist die Qualität von Argumenten nachrangig und die Mehrheit der Entscheidungen, die eine Gesellschaft trifft, wird idiotisch sein.

Hält man die Mehrheitsentscheidungen einer Gesellschaft für zunehmend idiotisch, liegt das entweder daran, dass man kein Idiot ist und die Gesellschaft immer idiotischer wird  – oder aber an der eigenen Idiotie und immer weniger idiotischen Entscheidungen der Gesellschaft. Einen verlässlichen Gradmesser dafür, wie die Idiotenverteilung innerhalb der Gesellschaft wirklich ist und ob man zu ihnen gehört, gibt es für das einzelne Individuum nicht.

Bis der Kompromiss der Mehrheit plötzlich lautet: Wir machen den wirklich größten Idioten von allen zu unserem Präsidenten.

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