figunt simul creduntque

Es geht mir eigentlich doch gut. Hab ein Fenster und die Sonne direkt neben meinem Tisch. Musik kann ich hören und hätte vielleicht Geld, wenn ich mich nur drum kümmerte. Aber brauche ich denn welches? Es geht mir doch ganz gut. Ich habe Zeit zu schreiben und zu lesen, zu reden. Kann drinnen sein, solang ich mag und niemand hindert mich heraus zu gehen. Talent hab ich ein wenig mehr als viele und doch wieder nicht zu viel, um aufzufallen. Mir geht es gut, doch ja. Das Essen steht schon auf dem Herd, den Kaffee trank ich heute morgen erst, zuallererst. Und sagte mir: „Dir geht es gut.“ Die Sache ist nur, dass man weinen will. Dabei geht es doch gut, uns allen hier. Da frage wen du willst. Sie alle sagen dir „Dir geht’s doch gut“, und, oder: „Mir geht es gut.“ Ob sie denn alle weinen wollen?
Manchmal erzählen sie dir Sachen, die schon mehr nach Tränen sind, wenn sie was getrunken haben oder wen verlassen. Dann sitzen sie ganz klein vor dir und blicken auf und alles was du sagen kannst (Dir geht es eigentlich ganz gut) ist nicht, was du nun sagen darfst. Denn man will weinen, denkt man drüber nach. Wenn man nur weinen könnte.

Dieser Beitrag wurde unter Autolyse, Marginalien abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Kommentare zu figunt simul creduntque

  1. Nasenfahrrad sagt:

    Das kommt mir sehr bekannt vor. Genauer gesagt befinde ich mich in einer ähnlichen Situation. „Eigentlich“ geht es einem gut – aber eben nur eigentlich.
    Es ist erschreckend, aber wahr: unsere Gesellschaft ist auf Konsum ausgelegt. Das wird uns täglich eingeimpft. Es ist daher sehr schwer, die innere Lücke, die durch den Versuch, sich dem zu entziehen, entsteht, wieder zu füllen. Daran kann man leicht verzweifeln. Die besten Dinge im Leben kosten zwar nichts, aber hinter ihnen stehen auch keine Marketingstrategen, d.h. wir finden sie nicht so einfach…

  2. gonzosoph sagt:

    Schon erschreckend, dass im Grunde jeder mit folgendem Statement übereinstimmt: „Je mehr man über das Leben nachdenkt, desto unglücklicher wird man.“ Was sind das für schreckliche Zeiten, möchte man meinen, gehört man der Intelligentia an. Aber Nachdenken zu können ist eben nur notwendige, nicht hinreichende Bedingung des Unglücklichseins. Mithin gibt es ja genug Dinge, seine Gedanken sehr effektiv in enge Schranken zu verweisen – Meditationen, Sport und oder Sex, frei nach Gusto. Mehrfachwahlen sind möglich.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.