Schlaf gut

Oft ist es gar nicht die Erschöpfung, die einen ins Bett treibt, sondern die Frustration über das wach sein, dieses Vertun und Verdrängen, das einen sich zudecken lässt, ins Kuschlige gleiten; die Einsamkeit, die einen nicht bis in die Träume verfolgen kann. Das alles ist Abseits, solange man keinen Fuß auf den Boden setzt, seine Glieder bei sich behält. Hier, in der Ruhestätte.

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Dropout Boogie

Nichts Halbes und nichts Ganzes, wie Rosé, nur ein Gesöff ohne rechte Aussage. Aber er passt zu dem Licht, in das ich mich tauche. Darin sieht man die Augenringe nicht so sehr, die Hautunreinheiten. Hier mache ich meine Liegestütz, meine Situps, Luft verbrauchend. Schwitze vor mich hin ohne es zu riechen.
Herr erlöse uns von den Blößen und führe uns nicht in Versuchung. Ich gehe nur mit Widerwillen noch irgendwo hin, zu Terminen, zu Verpflichtungen. Um so weniger man sich mit Menschen umgibt, um so schwieriger wird es. Man muss an sie gewöhnt sein um sie zu ertragen, wie an andere Gifte. Da hilft nur Rosé, der bringt Farbe auf die fahlen Wangen, fast wie gekniffen. Hilft zu Lächeln, diesen Leuten ins Gesicht zu grinsen. Was mache ich eigentlich noch hier? Mein Platz ist lange schon neu besetzt, selbst in den Warteschlangen. Zeit für Luft, für Gesöff und Erde.

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Mittwoch

Ich bin müde, aber wach; reihe kleine Steinchen aneinander, doch noch ergibt sich kein Bild, kein Muster. Ich versuche nicht all zu weit zu blicken, die Zukunft weg zu halten, mich auf die nächsten Wochen zu konzentrieren, die Schönes versprechen. Alles ist im Grunde banal, denn mein Leben ist banal geworden.
Du aber wirst mir immer weniger banal, zeigst dich mir jeden Tag von einer anderen Seite, entfaltest dich nur ganz allmählich. Ich möchte dich beim Namen nennen, dich kennen, deuten lernen. Nicht um die Klaviatur spielen zu können, einfach weil du wunderbar bist.
Mauersegler stürzen sich vor meinem Fenster hinab, todesmutig, selbstvergessen. Ich hätte gerne etwas von ihrem Naturell, generell etwas mehr Natürlichkeit, mehr Rage. Doch ich war schon immer mehr der Typ für Pistolen nach Eilfe als für Pistolen im Morgengrauen. Satisfaktion entspricht nicht meinem Naturell. Darin halte ich mich durch.

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Morgen

Wozu schläft man eigentlich? Eine Dusche reicht meist völlig und ein Sonnenaufgang. Wer bekommt da keine Lust auf Mohnbrötchen mit Butter und Marmelade, auf Tee. Der Tag hat begonnen, unumkehrbar — und plötzlich ist man selbst ganz anders. Wer denkt nun noch an Schlaf. Wasser aufsetzen, Musik langsam aufdrehen, kurz in die Nachrichten hören. Vielleicht hält dieser Horizont ja einmal sein Versprechen, fügt den Tag in diesen Duft von Tee und Brot. Schenkt mir ein paar Stunden, die nicht einfach so vorüber ziehen. Mal schauen, ihn vor dem Abend schon zu loben, das hat er sich noch nicht verdient. Aber strahlend scheint zumindest der Himmel schon zu sein.


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„rota tu volubilis/ status malus, vana salus/ semper dissolubilis“


In müden Laken
verliert sich das Jetzt
Schläfrige Ruhe
nichts mehr verletzt
Die Welt wird weich
im Rausch schweigt der Geist

doch
viel zu schnell
sinke ich wieder
auf mein schwarzes
Lager danieder,
und weiß, dass
nach ruhiger Nacht
mein Geist in
greller Sonne erwacht

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