weiteres

Man schläft so schlecht, wenn alle Gedanken sich nur um’s hätte, könnte, sollte drehen, wenn alle Wünsche so weit weg, alle Träume so alt sind. Ich habe es aufgegeben zu schlafen, wie ich alles aufgegeben habe, wie ich dich aufgegeben habe. Ich würde dir gerne soviel schenken, doch bist du viel zu sehr du selbst, als dass du dem bedürftest; ich zu wenig ich selbst, als dass ich dir noch etwas geben könnte.
Ich passe nicht in diese Rolle. Alles, was ich haben werde bin ich und meine Langeweile. Damit könnte ich zufrieden sein, wenn du nur nicht immer wieder diesen Traum in mir wachrufen würdest. Das haben alle anderen verstanden, sie belästigen mich nicht mehr damit. Du wirst es sicher auch noch lernen.
Aber ach, es ist doch so ein schöner Traum. Komm, träumen wir zwei uns noch ein Stück vorbei an der Einsamkeit unserer Tage, lächeln. Auch wenn das Lächeln immer müder wird.

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Tristesse

Ich schaue aus dem Fenster und sehe Menschen sterben, sehe Katzen sich besteigen, sehe sonstige Langeweile, sehe nicht mehr richtig hin. Zeit zu mauern; Bilder aufzuhängen. Meine Koffer waren gepackt. Sie verstauben unterm alten Bett. Ich spüre sie beim Schlafen, sie drücken durch die Matratze, hinterlassen rote Stellen auf meinem Rücken, im Genick. Die Uhr ist stehen geblieben. Um zwei hättest du kommen sollen, irgendwann einmal. Ich sehe nur noch Messer, Stricke und Fallhöhe um mich herum. Im Staub auf dem Boden zeichnen sich Fußspuren ab, verlaufen sich zur Tür und bleiben stehen dort. Alles bleibt stehen. Ich höre schon lange keine Schritte mehr. Höre nicht mehr hin.
Ich sitze da, sortiere meine Gedanken, chronologisch. Was dachte ich wann. Wie bin ich geworden, hat mich jemand so gemacht? Doch wen gibt es schon für mich, wer ist für mich da. Vielleicht sollte ich einmal die Möbel verrücken. Das schafft zumindest neue Spuren, im Staub. Vielleicht das Fenster öffnen. Mich herauslassen. 4. Stock. Sollte reichen.

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Kerzenlicht

Wie Wachs zergehst du meinem Augenlichte
Und rinnst an mir ganz leis hinab
Wie Wachs zerfließen meine Glieder
Und ahmen deine Silhouette nach
Dass ich durch alles fühle: Du
Dass weich und warm wird alles Ich
Und einigt sich so Wachs mit Wachse
ach, wie ein Docht, ganz angefüllt mit Dir
Und speist uns eine einig Flamme
ach, wie hell brennt dies Feuer mir

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Samstag Nacht

Nimm die Brille ab, sie stört dich und andere. Tu nicht so als gäbe es etwas zu sehen, oder jemanden, hier, gerade hier. Zur Gesamtsituation passend haben sie überall diese widerlich obszöne Musik gespielt. Jeder hört die Musik, die er verdient. Auch ich. Und dann diese ganzen Menschen. Jeder Schritt erhöht die Gefahr eines Schulterklopfens, des Ansprechens, gegriffen zu werden irgendwo aus diesem Gekräuche. Ich habe mir schon immer Ecken gesucht, Spalten, Nischen, das Abseits. Die Distanz hat ihn mir erträglich gemacht, diesen Basar sich feilbietender Marktschreier. Man kann auf viele Arten schreien, mit Gesten, der Kleidung — gott, diese Klamotten. Bin ich auch einer von ihnen, auf der Suche nach etwas, hier? Warum wäre ich sonst gekommen. Auch mich packt das Bedürfnis, das Gefeilsche beginnt ganz von selbst, mit den ersten Blicken die einen treffen. Ich musste Blicken immer schon ausweichen. Ich bin kein guter Verkäufer, bin von dem Produkt nicht überzeugt. Das merkt man mir an, am Zögern, am gesenkten Blick. Dies ist mir peinlich, wie immer schon, nur hat sich mittlerweile der Ekel zum Schamgefühl gesellt. Aus allen Gesichtern quillt ein Zuwider. Ich kann mich nicht auf diesem Niveau bewegen, für so außergewöhnlich halte ich mich dann doch. Und das bin ich wohl auch. Doch nicht auf eine interessante Art.

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Rätsel

Fragt man sie, kennen sie es nicht, erklärt man es ihnen, verstehen sie es nicht, fehlt es dir, zeigen sie mit dem Finger auf dich. Willst du es sehen, du erblickst nur Leere; willst du es tasten, du fühlst nur Kälte; willst du es benennen, du verstummst. Verschließt du dich ihm, es wird dich befangen, verleugnest du es, dringt es ans Licht. Töte es und du wirst mit ihm sterben. Lebe mit ihm und es wird dich töten.

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