Shoutbox ex

Habe mich aufgrund diverser Fehlfunktionen und ungerechtfertigt langer Ladezeiten entschlossen die Shoutbox wieder heraus zu nehmen. Ich finde es eigentlich schade, da nun niemand mehr ohne Account überhaupt etwas hier sagen kann und auch mir die Möglichkeit zu Nebenäußerungen damit verstellt ist. Allerdings muss man anmerken, dass auch die Shoutbox nicht wirklich oft genutzt wurde. Naja, vielleicht gibts ja irgendwann mal ne sinnvollere Alternative

Nachtrag: Würden Frauen heute noch vorwiegend Röcke tragen, wäre die gefragte Popmusik dann dieselbe?

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uninspiriert

Nach Jahren der Seltsamkeit kommt einem irgendwann die erleuchtende Einsicht, dass man Freundschaft am Besten zu Menschen sucht, die einem egal sind — dass man Beziehungen nur mit Menschen führen sollte, die man verachtet und hasst.
Nach all den Jahren der Verlorenheit möchte man doch nur einen Kaffee, nur noch eine Zigarette, bevor man endlich geboren wird, endlich zu sich kommt und zu den Dingen. Nur noch eine letzte Zigarette und dann sollte alles anders werden.
Es ist einzig das Zögern, dass den freundlichen Menschen ausmacht, das Zurückschrecken vor diesem Dasein. Man will weder aufbrechen noch hier bleiben, weder loslassen noch halten. So sieht man ein, dass man weder das eine noch das andere kann. Die Wahrheit liegt im Jenseits.

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Simplicissimus (Teil 4) – Wettbewerb

So stellt sich die Gesellschaft dann heute auch dar: Alles Sein ist zu Potenz transformiert, zum Willen. Alles Werden ist Verschlingung und alles was nicht tot ist muss verschlingen, muss wollen. Dies unter dem Deckmantel einer suggestiven Moral, die das Grundmuster dieses Willens nicht mehr leugnet sondern geschmackvoll kleidet. So wird aus Verschlingung Selbstverwirklichung, Existenzkampf wird zum gesunden Wettbewerb, Vereinzelung heißt nun Emanzipation.
Diese Weltsicht folgt der „neuen Moral“ Nietzsches und hüllt sie in das Ideal des Fortschrittsglaubens und das Vokabular der neuen Medien. Niemand bestreitet mehr die hilflose Verlorenheit und den Zwang zum Raubtierverhalten des Individuums. Dies alles ist schließlich überliefert, institutionalisiert und beglaubigt — nicht erst seit Castingshows. Man geht gemeinhin davon aus, dass man sich diesem gesellschaftlichen Zwang zum Gegeneinander nicht entziehen kann. So entfremdet sind wir, dass wir die künstlichsten aller Gesellschaftsprodukte nicht mehr als von Menschen geschaffen erkennen. Dabei sind es oft gerade die Menschen, die sich auf die Unabänderlichkeit der Gesellschaft berufen („ja was hätte ich denn machen sollen?“), die sie als Funktionsträger zu dem machen, was sie ist. Kultur als Entäußerung betrachtet verdeutlicht hier ihre Ironie: Die Herrschaft der Maschinerie über ihren Erbauer, der sich nicht mehr als solcher begreift.
Wettbewerbsdenken gilt als absolut, unsere heutige Gesellschaft mit ihm. So geben wir uns dem hin, was als kruder Dingzwang erscheint, gekleidet in spielerische Konventionen und federne Maßregeln. Das Individuum habe sich zu beugen, sich anzupassen und es müsse für den globalen Kampf gegen seine Zeitgenossen bereitet werden, spätestens wenn es die Zahlen bis 100 aufsagen kann. Dass dabei gewisse persönliche Überzeugungen korrigiert werden, Vorstellung über das Mit- und Füreinander scheitern müssen, ist vorprogrammiert. Es kann kein richtiges Leben im Falschen geben. Wo es aber kein „richtig“ mehr gibt, scheint es jenseits der groben verstöße auch kein „falsch“ mehr zu geben. Wie oben gezeigt, hört jeder Anspruch der Verantwortlichkeit für andere und vor sich selbst auf, normativ zu sein.
Was ist das für ein entmenschlichtes Spiel, dessen Regeln wir Menschen uns als absolut gesetzt haben? Ich bin der festen Überzeugung, dass jeder, der die Implikationen dieser Spielregeln einmal im gesamten bedenkt und mit seinen innersten Wünschen vergleicht nicht zu Deckungsgleichheit kommen kann. Der Mensch ist kein allfressendes Raubtier.
Also muss dieses Spiel aufhören.

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Provokation (06.04.05)

Wer schreibt hat sonst nichts zu tun. Diese Erkenntnis kommt einem irgendwann zwischen Fernsehen, Däumchendrehen und dem Kochen von Kaffe, wenn schließlich der Gedanke auftaucht: Ich könnte mal wieder was schreiben. Worin liegt dieser Anreiz? Es ist wohl eine Mischung aus Sinnkrise, dem Drang nach Selbstverherrlichung und dem Bedürfnis, sich als intellektuelles Wesen von der grunzenden Masse lediglich konsumierender Normalos abzugrenzen. Sollte der Fragende sich 5 Minuten später nicht doch wieder in den Tiefen eines virtuellen Dungeons oder ähnlich finsteren Internet-Forum befinden, so bleibt ihm dennoch ein Problem, das Thema. Hier sind schon einige Autoren in den Wahnsinn abgeglitten, aus dessen Schlund Themen wie „Die Entwicklung der Infanterietaktik des hessischen Heeres vor dem Hintergrund der Erfahrungen des amerikanischen Unabhängigkeitskriege“ hervorquollen. Andere wollen sich erst gar nicht die Arbeit einer wirklichen Themensuche machen und schreiben so einfach und munter drauf los. Für diese Leute ist meist auch die Form und Art des Textes nebensächlich. Oft endet dies in Textfragmenten hochliterarischer Natur, welche nur der privilegierteste Teil der Leserschaft, sofern es eine solche überhaupt gibt, versteht.

„Schwarzer Quark!
Im Frost der Zeiten Ungemach –
Horch ich nach deiner Seele Grund,
Kost ich an deiner Taubheit Schmach,
Im Musenhain zur frohen Stund,
Bist du autark:
Nimmermehr.“

Ich mag diese Verse nur, wenn sie auch auf Nimmermehr enden. Für den angehenden Literaten jedenfalls, sind diese Stücke trotzdem ideales Machwerk. Er kann mit wenig Aufwand ein ausschweifungsvoll zu interpretierendes Gedankenknäuel erschaffen, welches dem Leser viele lange Vokale entlocken möge. Auch kann jeglicher Rechtschreibfehler, Holperstein der Interpunktion oder stilistischer Schmarren als Zeigefinger der Intention verkleistert werden. Der fortgeschrittene Literat verschreibt sich hier lieber den anspruchsvolleren Aufgaben. Er verfasst Kurzgeschichten, Aufsätze über sein Leben, artgerecht verpackt in einer kleinen Parabel, oder entwirft gar ganze Romane über einen coolen Helden namens Bud. Mit der Zeit gewöhnt er sich parallel verlaufende Handlungsstränge und unvorhersehbare Wendepunkte an. Irgendwann schafft er es vielleicht sogar, seine Storys zu spannenden Krimis werden zu lassen. Auf dem Höhepunkt seines Schaffens ist er schließlich so weit, dass nach der spannenden Wende seiner zynischen und auch erotisch elektrisierenden Kriminalgeschichte nicht nur mehr alle Personen in einem anderen Licht erscheinen, sondern dem Leser auch noch eine unumstößliche Moral eingebläut wurde.

„und plötzlich wurde Greg klar: Sein ganzes Leben hatte er vertan, sein ganzes Sein war ein einziger Fehler. Alles wofür er gelebt hatte schien so bedeutungslos. Jetzt erkannte er die wahre Fratze seines Wesens. Alles, was er um der Liebe willen hätte geben können, wie Wasser, das einfach verschüttet wurde – für Drogen, Suff und Rubbellose“

Der professionelle Literat begibt sich niemals auf diese Pfade. Er hat sich Höherem verschrieben als die pure Unterhaltung seiner selbst oder des Lesers. Er fand ihn schon vor langer Zeit, den Stein der Weisen, und versucht nun seinen Jüngern, wie er sie nennt, einen Bruchteil von dessen Glanz mit auf den Lebensweg zu geben. Völlig frei von jeglicher Selbstdarstellung und ausschließlich die Vernunft als Richtschnur angelegt schreibt er abstruse Texte über den Zusammenhang zwischen Mensch und Maschine, zwischen Vernunft und Verderben, zwischen Sonne, Mond und Sternen.

„Oh Allheit letzter Schluss, lass mich dich erreichen – So sehr nun auch der Körper mir als Ganzheit mag erscheinen, es ist mit ihm doch wie mit einem Staat von Ameisen: Er wird von Einzelnen gebildet, des Ganzen ist sich nichts davon bewusst. Mosaiksteine sind sie, jedes Tier ist Teil des großen Kunstwerkes. Mögen sie für sich auch vollkommen unbedeutend erscheinen, so ist doch keines überflüssig. Und ist es mit der Menschheit nicht, ja mit dem ganzen Universum eben so dasselbe?
Ach, meine Seele, könntest du nur in mir sein, könntest du durch diese Augen blicken auf das, was du erschaffen hast: All den Glanz“

Für welchen Werdegang man sich nun entscheidet, letztlich irrelevant. Am Ende steht nur die Frage, wie viel Zeit man mit dem Erbrachten totschlagen kann und was man mit dem Geschriebenen anfangen möchte. Ich für meinen Teil bin schon zufrieden, wenn ich anderen Menschen mit diesem Text ein wenig ihrer Zeit stehlen kann, erhoffe ich mir doch, dass gleiches mit gleichem vergolten wird.

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Profanation

So still ist es geworden. Die Nacht gibt sich nicht mehr in meine Träume. Sie liegen flügellahm am Morgen. Und licht schon ist der Abend. Was dunkel trunkner Schlaf gewesen, es ist längst wüster Tagestraum. Und scharf umstehn die Gegenstände mich. Kein warmes Auge blickt zu mir. Es sieht nicht her, nichts dringt aus mir heraus. Ich bin geleert. Das dumme Dasein drückt auf meine Kehle. Ich atme schwer. Der Tod hat seinen Stachel wieder. Mein Ich gibt sich den Dingen her. In dieser Hurerei soll ich jetzt leben. Ich esse Brot, ich stopf mich voll damit. Und frage nicht mehr weiter nach. Ich warte Weitergehen. Dass irgendwann ich abgekehlt mich kann herüber stehlen. Zur Nacht, zurück zum Traum. Der nur in Finsternis erwacht.

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