Mär 7 2010

Brotkrumenkunst

Jetzt seit langem mal wieder etwas in eigener Sache. Da mein kleines, recht unauffindbares Weblog wohl der falsche Rahmen ist um themenbezogene Texte zu veröffentlichen, schreibe ich diese seit Neuestem und leider exklusiv auf Suite101.de. Das hat für mich den Vorteil, dort im besten Fall sogar Tantiemen für etwaige Werbeeinnahmen zu erhalten. Dabei verbleiben die Rechte an meinen Texten bei mir. Seien sie aber unbesorgt: Meine ansonsten ganz und gar brotlose Kunst werden sie hier auch weiterhin werbefrei konsumieren können. Die Suite101 Veröffentlichungen sollen, wie gesagt, eher sachlich, leichter verständlich und unterhaltsam werden. Bester Webjournalismus also. Zwei Gründe veranlassen mich dazu, an dieser Stelle darauf hinzuweisen: Ich würde mich freuen, wenn auch einige meiner üblichen Leser an meinen dortigen Artikeln Gefallen finden würden. Weiterhin ist dort bisher noch keine Kommentarfunktion eingebaut, weswegen etwaige Nachfragen nur im Rahmen dieses Blogs geklärt werden können. Sie als Gonzosophie-Leser haben somit quasi einen Premium Zugang. Als Entschädigung könnten sie sich ruhig mal für die eine oder andere Werbeanzeige interessieren. Aber bitte auch nicht zu sehr – ich will ja nicht des Klickbetruges beschuldigt werden!


Mai 18 2009

Moderne Mythen. Heute: Leistung muss sich wieder lohnen.

„Leistung muss sich wieder lohnen“, klingt doch eigentlich ganz gut. Schließlich leisten wir alle unsern Beitrag, jeden Tag. Dementsprechend kann niemand ernsthaft dagegen sein, dass wir Leistungsträger endlich entlastet werden. Aber auf wessen Kosten kann man uns überhaupt entlasten? Die Antwort ist klar: Auf Kosten der Leistungsempfänger. Diejenigen, die ohne irgendeine Leistung zu erbringen in den Tag hinein Leben und das nicht allzu schlecht. Davon gibt es zwar immer weniger, aber bei denen ist glücklicherweise immer mehr zu holen. Denn kaum jemand, der heute noch viel mehr Einkommen als seine Mitmenschen hat, bezieht dies maßgeblich aus eigener Hände Arbeit. Er wäre ja auch schön blöd, denn obwohl der sog. progressive Steuersatz Spitzeneinkommen prozentual wesentlich geringer besteuert als kleinere und mittlere Einkommen, ist die Einkommenssteuer auf Arbeitseinkünfte immer noch wesentlich höher, als auf Kapitaleinkünfte und Aktiengewinne. Am lohnenswertesten ist also nicht Leistung, sondern Transferleistung und zwar diejenige, die „Arbeitnehmer“ erbringen und „Arbeitgeber“ erzwingen. Leistung zu erbringen lohnt sich nicht, hat sich auch noch nie gelohnt (s.a. Mehrwert). Deswegen ist fraglich, worauf “muss sich wieder lohnen” überhaupt verweist. Bundesrepublikanische Politik jedenfalls kann damit nicht gemeint sein. Warum nun also gerade “CDU” und “FDP” mit genanntem Slogan für sich werben, lässt Zweifel aufkommen. Auch, da Ihre Zielgruppe keinesfalls dem Segment der Leistungsträger entstammt. Dass sich Leistung nicht lohnt und nie gelohnt hat, liegt nämlich nicht zuletzt an ihrer langjährigen Tradition der Politik für Transferleistungsempfänger. Es verbleiben also zwei Möglichkeiten der Deutung: Entweder genannte Parteien wollen endlich zu “Volksparteien” werden oder ihr Verwendung des Wortes “Leistung” ist das, was man seit Freud einfach “Fehlleistung” nennt.


Mai 18 2009

Von Arbeit

Ich wollte es versuchen, bewarb mich auf eine Stelle, die der Außensicht auf mein Leben gerecht zu sein schien. Eine Arbeit im universitären Bereich, kinderleicht verdientes Geld, wie mir von Kennern der Materie versichert wurde. Natürlich wurde ich nicht einmal zu einem Gespräch eingeladen. Mich brachte dies zu der Erkenntnis, dass meine Qualifikationen wohl doch im Bereich der unqualifizierten Hilfsarbeit liegen. Zwar nicht kinderleicht, aber zumindest ehrlich verdientes Geld. Drum bewarb ich mich nun als Versuchsperson und für die Nachtschicht in einem Industrielager. Die Resonanzen hier waren gleich viel positiver. Ich hoffe nun endlich wieder genug Geld verdienen zu können, mir um Bierpreise keine Sorgen mehr machen zu müssen. Denn Sorgen habe ich auch so schon genug. Nur damit sie es wissen.


Feb 27 2009

Kaltakquise

Von jedem Arbeitsplatz hinaus zur Straße sind es nicht mehr als ein paar Fuß. Meist geben sie dir gar ein Fenster drauf und nennen das gesund nach ihrer Logik. Wie obszön ist das, sich seiner Zeit enteignen lassen, nur um dabei mit zu zählen. Was ist der Mensch, was soll er sein; was ist er wert? Klimper, Klimpergeld die Stunde. Dort sitzt du dann und um dich Hunderte, die keiner kennt, weil das nichts bringen würde. Würde.
So geht ein Tag und kommt genau so wieder. So kommt ein Jahr und geht vorbei. Wann endlich wirst du fertig sein und habhaft aller Dinge derer wegen du dein Leben hast verkauft? Was gibt es dann wohl noch zu tun für dich, worauf das Warten sich gelohnt?
Erde, Ruhe, Tage?