Feb 10 2010

Frühling

Tiri Tira, die Weiber sind zum Vögeln da,
die Welt heißt das zu nutzen.
Tiri Tiraun, bloß Denken schlafft den Hosensaum,
verflüssigt jäh den Stutzen.
Die Felder tauen, es spannt der Hahn
sich wacker vor die Kammer.
 dieu, ihr Frauen, mir grient der Wahn.
	Ich schieß mir in den Kopf.
		Mit einem Minié!
		Geladen wird’s von vorn,
		Mit Pulver und mit Horn,
		solch Ende tut nicht weh.
	Da geht ein armer Tropf.
Trara, Palim, dass ich am End zufrieden bin,
so bar von jeder Scham,
das überrascht.

F: Doch horcht! Wer spricht  so leise durch die Kammertür?
Wer flüstert nur durchs Schlüsselloch und wagt sich nicht herfür?
F: Ein Dämon, der den Zweifel wagt, von Anstand und von Sitte,
ein Geist, den jähe Reue plagt, das Wissen um die Mitte,
die, sagt man, gutes Leben prägt, und Rettung sei der Seele;
nur all zu schwer erreichen kann, dass man sie nicht verfehle.
F: Ein Wahn ist es, der Reden glaubt, von Ordnung und von Sinn,
von einem Grund des Lebens spricht, so tief und so weit hin,
dass er als steter Horizont am Ende dieser Welt,
und jener mächtgen Sonne gleich, das Innerste erhellt.
Ich kenne dieses Hoffen auch, ich weiß um jenes Licht,
einst blendete es mich selbst, drum misse ich es nicht.
F: Und wenn du noch geblendet bist und dich dein Sinn belügt?
Wenn dich die andre Hoffnung nun statt dem von Neuem trügt?
F: Ein Hoffen ist’s, ich leugne nicht, denn Hoffnung trägt die Welt,
doch weder Glaub noch Sinn ist es, was diese Hoffnung hält.
Ein Ende bloß, kein Zugewinn, ist mir nunmehr zum Ziel,
verlangt man Nichts und Niemanden, so will man kaum zu viel.

Jul 29 2009

Vom Schleck (Alltagslyrik III)

Lecken wollen Groß und Klein.
Jedem fällt was Leckres ein.
Doch man braucht schon ein Objekt,
denn sonst würde nichts geleckt.
So zum Beispiel Eis am Stiele,
eine Kugel oder viele.
Lecken können sich zwei Frauen,
doch man sollte nicht drauf bauen,
dass es was zu sagen hätte –
ist ja fast schon Etikette.
Mancher leckt gern LSD,
`n Andrer schlürft Melissentee –
das jedoch: Nicht mein Metier.
Was ich letztlich sagen will,
kurzer Satz mit wenig Stil,
und er fordert– quel dommage:
Lecken sie mich doch am Arsch!


Apr 16 2009

Tagebuch (verwitwet)

Ich laufe auf Miseren – eigentlich ganz gut. Mit neun atü im Kessel und Doppelkorn im Blut. Mein Hirn klebt an den Sternen, mein Arsch schwitzt am Klosett. Ein Sextett der Affären – bloß Schwachsinn gibt noch Mut. Die Welt glänzt gold von Fett. Ich trug denn Müll hinaus, hinein. Ich ließ das Denken sein, Schluss aus. Der Waidmann Losung nennt, was man als Scheiße kennt. Wer da an Liebe denkt - hat’s raus.
Soviel zu Wunsch und Sehnen, zu Grablegung und Sinn. Ick stoh mit bieden Beenen dor in.


Apr 14 2009

schade, eigentlich


So’n Mann wie ich
ist eigentlich.
Er träumt Sie nur
in Worten.
Nicht fasst er Sie,
noch zeigt er ihr,
das Wir als
Utopie.
So’n Mann wie ich
ist schade,
eigentlich.


Apr 6 2009

Abiose

Glocken künden deine Reise
Socken nicht, den Kopf vorn an
Paar Mann Geleit und alle leise
Priestersätze, Gottlobsang
Bequemer Sarg, Krawattenkragen
Klagen ehrlich vorgebracht
Stricke reiben über Zargen
Madenbett und Erdennacht
Letzte Träne, letzte Rose
Lose Augen, Regenschlag
Ab jetzt heißt es Abiose
Froh, wer mal so enden mag!


Jan 20 2009

König Harkan

Harkan war ein Rübezahl,
ein Grobian, der manches Mal,
sein kleines, feines Weib betörte,
das jedoch selten ihn begehrte.

Er naschte gern vom Beerenstrauch,
der neben frischen Beeren auch,
der schon vergorenen anbot,
die brachten ihn oft aus dem Lot.

Dann wankte er, nun schwankte er,
und hin zum Weibe langte er,
das da schon ahnte, was passierte,
sich dementsprechend präparierte.

Doch König Harkan, Herr von Allen,
begann im Sturze, Plotz! zu fallen,
und landete in Weibes Schoß,
der ihm schon offen und ganz bloß.

Nun war die Königin sehr träge,
und wusch gar selten die Beläge,
die ihr dort unten wuchsen weg,
- hygienisch war‘s ein blinder Fleck.

Es stiegen folglich üble Gase,
dem Heros Harkan in die Nase,
der schon von Beerenwein benommen,
nun vollends fühlte sich beklommen.

So sank der König rasch hernieder,
dem längst erschlafft warn alle Glieder,
und lag nun vor der Königin.
Die nahm das hin.

Denn heimlich hatte sie geplant,
wär Harkan erst mal ungewarnt,
den fetten Wanst ihm auf zu tun,
und brachte also flugs ihn um.

Es herrscht nun bis zur heutgen Stunde
Die Königin in muntrer Runde,
„Und die Moral“, so spricht sie helle,
„vergisst man manchmal auf die Schnelle!“

[PS: jegliche Ähnlichkeit zu realen Amtspersonen ist rein zufällig]